Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Sinnesfunctionen der menschlichen Haut. Erste Abhandlung: Druckempfindung und Schmerz
Person:
Frey, Max von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29425/70/
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Max von Frey, 
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wenige treffen. Nimmt man an, wozu nach den eben mitgetheilten 
Versuchen Berechtigung vorhanden ist, dass überall hochempfindliche 
und unterempfindliche Druckpunkte in ungefähr gleichem Verhältniss 
gemischt sind, so wird das Gewicht an der einen Stelle viele, an 
der anderen nur wenige, eventuell auch gar keinen hochempfind¬ 
lichen Punkt treffen, dort also viel stärker erregen wie hier. 
Die vorstehend beschriebenen Versuche lehren, dass die Erre¬ 
gung der Druckpunkte nur so lange von dem hydrostatischen Druck- 
werthe des Reizes abhängig erscheint, als die Reizfläche nicht unter 
eine gewisse Grösse sinkt. Anomalien der Erregung kommen in¬ 
dessen auch zur Beobachtung, wenn die. Reizfläche über ein 
gewisses Maass hinaus wächst. Ein klassisches Beispiel dieser 
Art hat seinerzeit Meissner beschrieben (20): Taucht man die Hand 
in Wasser oder Quecksilber von der Temperatur der Haut, so ent¬ 
steht in keinem Theil der untergetauchten Hautfläche eine Empfin¬ 
dung, speciell keine Druckempfindung, so lange Bewegung der Hand 
oder Berührung der Gefässwände vermieden wird. Dagegen treten 
Empfindungen auf an der Grenzlinie zwischen Flüssigkeit und Luft. 
Wie man jetzt weiss, würden die dabei auftretenden hydrostatischen 
Drücke an sich völlig ausreichen Druckemptindung zu erzeugen, 
denn die Versuche mit der Schwellenwage lehren, dass an em¬ 
pfindlichen Hautstellen Drücke von 2—3 Tausendtel einer Atmo¬ 
sphäre, wenigstens vorübergehend erkannt, werden können. Aber 
selbst wenn man die Wasser- und Quecksilberdrücke des Versuchs 
weit über diesen Werth steigert, indem man den Arm bis zum Ell¬ 
bogen untertaucht, so ändert dies nichts an dem Ergebniss. Man 
kann den Versuch mit Vortheil auch so ausführen, dass man den 
Arm in eine Röhre steckt, wie sie für plethysmographische Ver¬ 
suche in Gebrauch sind, und den Luftraum durch eine Kautschuk¬ 
manschette abschliesst. Steigerung des Luftdruckes im Innern der 
Röhre wird dann nur an den von der Manschette umschlossenen 
Ilautflächen empfunden. 
Diese Versuche sind das vollkommene Gegenstück zu den ein¬ 
gangs beschriebenen, bei welchen die durch den Druck erzeugte Defor¬ 
mation der Haut auch nach dem Aufhören des Drucks gefühlt wurde. 
Im vorliegenden Falle ist zwar genügend Druck vorhanden, es fehlt 
aber die Deformation und folglich die Empfindung. Die theoretische
        

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