Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik in den Jahren 1844 und 1845
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29423/8/
4 
H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten 
der Körper gewinnt nach einer Secunde eine Geschwindigkeit 
von 30 Fuss. Derselbe Körper, auf dem Monde fallend, 
würde in einer Sekunde eine Geschwindigkeit von -3U0 1- 
— 0,1 Zoll gewinnen, wreil dort die Intensität der Schwere 
(der Druck, welcher auf den Körper wirkt, die bewegende 
Kraft) 3600 mal kleiner ist.” 
Wir wrollen uns nicht bei den einzelnen Ausdrücken auf¬ 
halten, die nicht immer richtig angewendet wurden, wir wollen 
nur fragen: Warum sagt Liebig nichts von dem Gesetze der 
Trägheit, welches allen mechanischen Bestimmungen zum 
Grunde liegt, welches eben macht, dass die Geschwindigkeit 
eines fallenden Körpers immer zunimmt, je längere Zeit er 
fällt. Galilei wandte es an, ohne es auszusprechen, als er 
den Satz fand, dass die Räume, durch welche ein Körper fällt, 
sich verhalten, wie die Quadrate der Zeiten, in welchen er 
fällt. Newton nannte es das Gesetz der Trägheit (lex iner- 
tiae), stellte es an die Spitze seiner Principia Philosophie 
naturalis mathematica, und drückte es folgendermassen aus: 
Ein Körper beharrt in seinem Zustande der Ruhe und der 
Bewegung in derselben Richtung und mit derselben Geschwin¬ 
digkeit, bis eine bewegende Kraft ihn zwingt, diesen Zustand 
zu verändern. Es ist vielleicht in Deutschland der Naturphi¬ 
losophie zuzuschreiben, dass man dieses Gesetz bei der Er¬ 
klärung der Naturerscheinungen vergessen, wenigstens über¬ 
sehen hat, sogar dass Naturforscher, wie Liebig, die wahrlich 
der Naturphilosophie nicht huldigen, dieses Gesetzes nicht er¬ 
wähnen. Nicht allein die zunehmende Geschwindigkeit beim 
Falle der Körper wird dadurch erklärt, sondern auch die ge¬ 
meinsten, täglichen Erscheinungen auf der bewegten Erde 
können ohne dasselbe nicht erklärt werden, warum nämlich 
ein Stein am Hause, am Thurme herabfällt, warum er nicht, 
wenn man ihn an der Westseite eines Hauses fallen lässt, 
weit hinter dem Hause zur Erde kommt, indem das Haus auf 
der ausserst schnell sich drehenden Erde, von ihm gleichsam 
wegfliegt, warum endlich dennoch beim Falle des Steines von 
einem hohen Thurme eine Abweichung geschieht, indem die 
Spitze des Thurms sich schneller bewegt, als der Boden am 
Fusse desselben, zu welchem der Stein herabkommt. Doch 
ich schäme mich, Sachen lehren zu wollen, die zum ersten
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.