Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik in den Jahren 1844 und 1845
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29423/31/
für physiologische Botanik. 
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nischen Körper lässt Flüssigkeiten durch, in der Endosmose 
vermuthlich durch elektrische Strömung geführt, im lebenden 
Körper werden diese Poren, wie es scheint, geschlossen und 
geöffnet; eine Wirkung der Lebenskraft, die sich in vielen 
andern Fällen als Contraction und Expansion zeigt.” 
Schleiden folgt in seinen philosophischen Ansichten durch¬ 
aus Fries und hat eine Flugschrift gegen Hegel und Schelling 
geschrieben, worin er nicht ihr System angreift, wie er selbst 
sagt, sondern nur ihre Unwissenheit in der Naturkunde zu 
zeigen sucht. Anhänger beider Philosophen möchten manches 
dagegen zu erinnern haben, auch meine ich, die Anhänger 
von Fries gegen die Darstellung und Anwendung der Friesi¬ 
schen Philosophie. Ich rechne mich selbst mehr zu den letz¬ 
tem. Es ist hier nicht der Ort darüber zu reden. Von 
Oken sagt der Verfasser nichts, der doch wohl eine Rücksicht 
verdient hätte. Doch ich will keinen Streit herbeiführen, der 
hier und unter diesen Umständen keinen Nutzen der Wissen¬ 
schaft bringen möchte. 
Sonst sind wissenschaftliche Streitigkeiten von Nutzen 
für die Wissenschaften. Sie vermehren nicht allein die Theil- 
liahme an der Wissenschaft selbst, indem sie etwas Neues in 
den einförmigen Gang derselben bringen, sondern sie haben 
auch den Vortheil, dass der Streitende die Gründe für seine 
Meinung noch mehr entwickelt, um eine klare Darstellung zu 
geben und den Gegner zu überzeugen. Ob das Letzte ge¬ 
lingen werde, muss der Streitende dahin gestellt sein lassen; 
so viel ich weiss, ist es nie sogleich oder sobald der Fall, 
oft aber kommt die Ueberzeugung des einen oder des andern 
später. Der Vortheil der Entwickelung,der Gründe für oder 
gegen eine Behauptung fällt ganz weg, wenn man im Streit 
abspricht, das heisst ohne Gründe verwirft. Am wenigsten 
bringt es der Wissenschaft Vortheil, wenn der Streit mit einer 
wahrhaft originellen Grobheit geführt wird, wie Hr. Schleiden 
zu thun pflegt. 
Es ist sehr unrecht; wenn man der Naturphilosophie vor¬ 
wirft, sie achte die Thatsachen nicht, sondern verfahre nach 
blossen erdichteten Vorstellungen. Das ist nicht der Fall ge¬ 
wesen. Oken, Nees v. E., Wilbrand legen wie alle anderen 
Naturforscher Thatsachen zum Grunde, und fehlen nur darin —
        

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