Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik in den Jahren 1844 und 1845
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29423/20/
Iß H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten 
Er sagt in derselben Vorrede: „Höchstens in und mit Büchern 
kann man etwas wahrhaft Bildendes, das edlere Menschliche 
in uns Förderndes lernen, aber nie und nimmer aus Büchern. 
Das Lernen aus Büchern ist die geheime, unbeargwohnte 
Quelle, aus welcher zuerst die Unlauterkeit und Lügenhaftigkeit 
genährt wird, die unser ganzes neueres Leben vergiftet, die 
uns von Jugend auf gewöhnt nichts selbst zu sagen, zu den¬ 
ken, zu thun, sondern nur mit fremden erborgten und ererb¬ 
ten Gedanken unsere magere, dürre Seele auszustopfen, um 
diese Fülle für Gesundheit auszugeben.” Er kommt oft dar¬ 
auf zurück, dass er sich bestrebt habe eigenthümlich und ori¬ 
ginell zu sein. „Ich — sagt er in derselben Vorrede — hatte 
es versucht, einmal ganz ohne die Berücksichtigung des schon 
Dagewesenen, aber ausgerüstet mit allen den Hülfsmitteln, die 
die neuere Zeit uns zu Gebote gestellt, nur die ganze Wis¬ 
senschaft unmittelbar aus der Betrachtung der Natur wieder 
neu zu erfinden, und so erhielt meine Arbeit eine Originalität 
der Anschauungsweise, die abgesehen von ihrer Richtigkeit, 
immerhin etwas Anziehenderes hat, als das historisch-philolo¬ 
gisch zusammengetragene Material.” Der Verfasser täuscht 
sich etwas. Wo Lärm ist, laufen Knaben und Miissiggänger 
herbei. In seinen Ansichten hat er weit weniger Originalität 
als Thouars, Turpin, Agardh, Nees v. E., Oken, und in der 
Darstellung selbst ist Gaudichaud durchgreifender und be¬ 
stimmter. Was die Richtigkeit betrifft, so lässt sich diese nicht 
so leicht und so bald beurtheilen, dass sie auf das Urtheil 
des Lesers einen besondern Einfluss haben könnte. Beim 
Stamme z. B. folgt er in der ersten Ausgabe seines Buches 
der Lehre der französischen Botaniker von den Axen, die er 
allerdings genauer bestimmt, und beim Palmstamm kritisirt er 
das, was ich vom Caulom gesagt habe, ohne etwas Originelles 
dafür zu geben. Die originellen Schriftsteller sind wahrlich 
nicht diejenigen, welche der Wissenschaft den meisten Vortheil 
gebracht haben, vielmehr haben sie oft die Fortschritte ge¬ 
hemmt, und ich würde es für keine Empfehlung halten, wenn 
man sagte, Schleiden sei originell in seinen botanischen Leh¬ 
ren. Ueberhaupt empfiehlt er die kritische Methode, ja er 
hält sie sogar für die einzig richtige, aber Kritik lässt sich 
nicht denken ohne vorhergehendes System; sie steht sogar der
        

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