Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik in den Jahren 1844 und 1845
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29423/19/
für physiologische Botanik. 
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enden möchte. Ich will hier nicht von der Wirkung auf den 
Geist reden, welche die wunderbare Kraft und Einfachheit der 
alten Sprachen hervorbringt, wenn man sich dem Eindruck 
ganz überlässt, ohne an die Verwässerung zu denken, die sie 
durch jede Uebersetzung in neuere Sprachen erdulden müssen. 
Dies gehört nicht hierher. Aber in den Naturwissenschaften 
ist wahrlich ihr Gebrauch nicht absurd, wenigstens in der be¬ 
schreibenden Naturgeschichte sehr zu empfehlen und bis jetzt 
auch immer beibehalten worden. In diesen Sprachen verstehen 
sich alle europäischen Nationen, die von uns Deutschen be¬ 
schriebenen Pflanzen und Thiere erkennt man wieder von 
Lissabon bis Moskau. Zwar redet Schleiden von Speciestän- 
delei, doch das ist wieder in seiner Art und Weise zu viel 
gesagt, denn zuerst muss man wissen, wovon die Rede ist, 
und die Speciesbestimmung muss als Alphabet der Wissen¬ 
schaft gelten, und dann führt sie einleitend zur Beantwortung 
einer der wichtigsten Fragen in der Botanik, nämlich was 
Art, was Abart sei und wie letztere hervorgebracht werde. 
Es ist vielleicht sehr zweckmässig, dass Schriften, welche sich 
über jene gleichsam mechanische Darstellung der Gegenstände 
erheben, überall in der Muttersprache geschrieben werden, 
aber es wäre sehr gut, wenn überall so viel Lateinisch ge¬ 
lernt würde, dass man aphoristisch geschriebene Lehrbücher, 
besonders in den Naturwissenschaften, im ganzen Auslande 
verstände. Noch immer wissen Engländer, Franzosen, Italie¬ 
ner wenig von dem, was bei uns in den Naturwissenschaften 
geschehen ist. Wir, bei denen es zur Jugendbildung gehört, 
die Sprachen jener Nationen zu lernen, kommen leichter zu 
den Kenntnissen der Ausländer, als diese zu den unsrigen, 
weil unsere Sprache für diese Nationen viel zu schwer zu 
erlernen ist. Bis jetzt haben die Russen in den Schriften für 
jene Wissenschaften sich meistens der lateinischen, französi¬ 
schen und deutschen Sprache bedient; aber wenn sie anfangen 
sollten, nur in ihren Sprachen zu schreiben, und zugleich 
grosse Fortschritte in den Wissenschaften zu machen, dann 
werden wir entweder unwissend bleiben oder ihre Sprache 
lernen müssen. Aber Schleiden verwirft das Lernen aus Bü¬ 
chern, und nach ihm würde es nicht darauf ankommen, ob 
wir lernen, was die Ausländer beobachtet haben, oder nicht.
        

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