Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik in den Jahren 1842 und 1843
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29422/79/
für physiologische Botanik. 
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gebilde entspringen und zwar hier aus dem Axengebilde des 
Blütenstiels. Es ist nie einfach, sondern spaltet sich zuletzt 
in mehrere Abtheilungen, in Lateraltheile. Diese bleiben 
nun entweder zusammen, und durchlaufen verbunden die 
Frucht, in welchem Falle die Samen nach der Axe hin ange¬ 
heftet sind, oder die Abteilungen trennen sich von einander, 
ehe sie in die Frucht eindringen und dann stehen die Samen 
an den Wänden, oder die Axe hört ganz auf und nur Kar- 
pellarblätter bleiben, welche an ihrem Mittelnerven die Früchte 
tragen, z. B. Delphinium, Aconitum u. s. w. Diese Form der 
Früchte ist meiner Meinung nach keinesweges die Normal¬ 
form, sondern wirklich die anomale und die Kapsel mit einer 
freien Centralplacenta die einfache. Die Karpellarblätter, so 
mögen wir die Blätter nennen, woraus das Pericarpium be¬ 
steht, entspringen unter der Frucht, und sind entweder mit 
den Rändern an einander gewachsen, oder sie biegen sich an 
den Rändern um und sind so mit der Axenabtheilung ver¬ 
wachsen, oder auch ohne diese unter sich allein, wie Aconi¬ 
tum, Delphinium, alle Multicapsulares und Leguminosae-. Die 
Scheidewände gehen in der Regel von der Mittelrippe des 
Karpellarblattes aus und da in der Blüthe alles wechselt, so 
wechseln auch die Karpellarblätter mit den Abtheilungen des 
Axengebildes und den Fortsetzungen derselben, den Stigmaten. 
Daher die allgemeine Regel, dass die Stigmate mit den 
Scheidewänden wechseln. Die Fruchtbildung von Papaver ist 
sehr richtig vom Verfasser erklärt, wovon man sich leicht 
überzeugen kann, wenn man eine junge unreife Kapsel von 
Papaver somniferum eintrocknen lässt, weil sich die Theile 
der Stigmate dann ganz auseinander ziehen. Die Frucht der 
Cruciferen hingegen scheint mir eine Mittelform zwischen den 
Früchten, wto die Axe aufhört und denen wo sie sich nur 
theilt; es ist nämlich ein Karpellarblatt mit der Mittelrippe 
an die Abtheilung des Axengebildes angewachsen, und die 
Scheidewand bildet sich also wie gewöhnlich zwischen der 
Mittelrippe des Blattes und der gegenüberstehenden Placenta, 
die aber nun neben einander liegen. Die Abtheilungen der 
Griffel sind eine Fortsetzung der Abtheilungen des Axenge¬ 
bildes, wie gewöhnlich, und fallen also hier mit der Scheidewand 
zusammen. Der Wechsel der Karpellarblätter mit den Ab-
        

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