Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik in den Jahren 1842 und 1843
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29422/6/
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H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten 
zwei Längsschnitten sah er leicht, dass zahlreiche Fäden sich 
mit ihrem obern Ende an die Basis der Blattstiele befestigt 
hatten, aber kommen diese Faden von den Blättern oder von 
dem untern Theile des Stammes? An jedem Schnitt konnte 
man bemerken, dass die Fäden in dem Zellgewebe fast in 
derselben Menge vertheilt waren, lind dass man den Stamm 
wohl cylindrisch nennen konnte. Diese Gestalt ist aber erst¬ 
lich nicht möglich, wenn man annimmt, dass alle Fäden von 
unten kommen. Denn da alle Fäden überhaupt zu den Blät¬ 
tern gehen, so müssten alle diejenigen, die noch zu den Blät¬ 
tern gehen, oder zu den abgestorbenen gegangen sind, im 
untern Theile des Stammes vereinigt, ein sehr grosses 
Bündel machen und den Stamm verdicken. Dasselbe würde 
nun auch der Fall sein, wenn die Fäden von den Blättern 
zur Wurzel gingen, denn auf diese Weise würden sie eben¬ 
falls von den jetzigen und den abgestorbenen Blättern zu¬ 
sammen im untern Theile des Stammes ein grosses Bündel 
machen und auf eine gleiche Weise den Stamm verdicken. 
Es giebt aber im Gegentheil Palmenstämme, die an ihrer Basis 
dünner werden, was nach den bis jetzt gegebenen Theorien 
sich nicht erklären lässt. Nach der Theorie des Verb ist 
dieses leicht. Die Fäden wachsen von unten bis oben in dem 
ganzen innern Umfange des Stammes überall hervor. Als der 
Stamm sich bildete, war die Vegetation schwach, und folglich 
der Stamm ebenfalls, so wie er aber heranwuchs, bildeten 
sich mehr Fäden im Innern und der Stamm wurde dick. Um 
dieses noch mehr darzuthun, suchte der Verb die Zahl der 
Blätter, welche an dem Dattelbaum gewesen waren, heraus¬ 
zubringen, welches wegen der überbleibenden Ansätze der 
Blattstiele leicht ist, und fand auf die Länge eines Meters 337 
Blätter, welches für den ganzen Baum ungefähr 6268 Blätter 
machte. Dann suchte er die Anzahl von Fäden zu schätzen, 
die in einen Blattstiel hineingingen, deren er ungefähr 644 
fand. Dieses würde für den ganzen Stamm die grosse Summe 
von 4,036,592 Fäden machen, wenn sie alle aus der Wurzel 
gekommen oder dahin gegangen wären, auch, wenn er die 
Fläche eines solchen Fadens oder Bündels mass, einen Durch¬ 
messer von 2,01 Meter und einen Umfang von 6,33 Metern, 
da doch der Stamm an seiner Basis wirklich nur 25 Centi-
        

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