Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik in den Jahren 1842 und 1843
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29422/108/
106 H. F. Link: Jahresbericht über die Arbeiten 
gleichzeitig mit der Verdünnung der Spitze des Mutterschlau- 
ches durch Resorption (Ausdehnung) berstet diese und die 
Sporidie drängt sich durch die enge Oeffnung eigenmächtig 
und endlich sogar in drehender Bewegung heraus. Dieser 
Vorgang dauert wenige Minuten. Die Sporidie ist ein ovaler 
oder elliptischer Körper, der vom Mutterschlauche befreit, 
sich nach allen Richtungen frei im Wasser bewegt und zwar 
in rotirenden Bewegungen von links nach rechts und zugleich 
fortschreitend. Ein mit schwingenden Cilien gleichförmig be¬ 
setztes Epithelium bringt diese Bewegungen hervor. Momente 
der Ruhe wechseln nach Willkür mit Bewegungen ab, die im 
Ganzen durch zwei Stunden dauern. Mit dem Aufhören der 
Bewegungen verändert sich das Ellipsoid in die Kugelgestalt, 
die grüne Färbung vertheilt sich gleichförmiger, und die glas¬ 
artige Durchsichtigkeit des Epitheliums verwandelt sich in eine 
zarte homogene Pflanzenmembran. In weniger als zwölf 
Stunden verlängert sich die Blase durch unmittelbare Aus¬ 
sackung an einer oder an zwei Stellen zugleich und es treten 
damit die Erscheinungen des Keimens ein. Die Entwickelung 
der Schläuche fährt rasch fort. Es bildet sich einerseits ein 
Wurzelgebilde, wodurch das Pflänzchen sich festsetzt, während 
der andere Fortsatz sich verlängert, verzweigt und innerhalb 
vierzehn Tagen zur gleichen Sporenbildung gelangt. 1 Dieses 
ist der Verlauf der merkwürdigen Erscheinung, zum Theil mit 
des Verf. eigenen Worten dargestellt. Im Anfänge der Schrift sagt 
er: „Die Beweglichkeit der Algensporidien und namentlich 
die der Vaucheria wurde für keine sehr absonderliche Er¬ 
scheinung, am wenigsten für eine thierische gehalten. Link, 
Oken, Schlechtendal, Meyen, R. Brown, Valentin, Ehrenberg 
u. m. a. haben sich dafür ausgesprochen. Ungeachtet ich 
mich in guter Gesellschaft befinde, -so muss ich doch eine 
Stelle aus den Propyläen der Naturgeschichte anführen, die 
überdiess hierher gehört, s. S. 279. ,,Eine merkwürdige Er¬ 
scheinung ist, dass die Eier von manchen Thieren sich bewe¬ 
gen, und zwar von solchen Thieren, welche selbst ihren Ort 
nicht verändern. Grant hat dieses an den Spongien, an Gor- 
gonia verrucosa, Caryophyllaea calycularis, Plumularia falcata 
u. a. beobachtet. Wenn dieses auch schon ausgeschlüpfte 
Junge wären, wie die Flimmerbewegung an den Eiern von
        

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