Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik in den Jahren 1842 und 1843
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29422/10/
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H. F. Link; Jahresbericht über die Arbeiten 
beiten über die Organographie und Physiologie der Pflanzen 
freimüthig angreifen, ihre Irrthiimer und ihre Gefahren für die 
Wissenschaft zeigen, und nicht eher aufhören, als bis die 
Wahrheit für ihn oder für mich entschieden hat.“ Er stellt 
dann Mirbels Theorie mit wenigen Worten, und allerdings 
mangelhaft dar, denn auf die Gründe, womit Mirbel darthut, 
dass der Stamm der Palmen an der Basis ausserordentlich 
dick sein müsste, wenn dort alle Gefässbündel aus den Blät¬ 
tern zusammen kamen, erwiedert er nichts. Er stellt dann 
seine eigene Theorie auf. Alle organischen Körper fangen 
mit einer Zelle an. Die organisirte Zelle bringt ein Anfangs- 
Wesen (être rudimentaire) hervor, welches sich nachher ent¬ 
wickelt* Dieses gilt für Thiere und Pflanzen. Die thierischen 
Individuen bleiben, bis auf einige Ausnahmen, isolirt, die ve¬ 
getabilischen pfropfen sich von ihrem Ursprünge an, eines auf 
das andere, lind bilden so sehr zusammengesetzte Vereine, 
ln den Monokotyledonen besteht der einfachste Embryo (l’em- 
bryon le plus réduit), das einfache Phyton aus einem Stamm- 
Knotenstiick (merithalle tigellaire) aus einem Stiel-Knotenstück 
{merithalle petiolaire) und ein Saum - Knotenstück (merithalle 
limbaire), welche sich von der Vegetabilie sondern, sobald 
sie ihre Verrichtung erfüllt haben. Das Stamm - Knotenstück 
bleibt stehen, und an seiner Spitze bildet sich eine Knospe, 
an seiner Basis eine Wurzel, die Knospe besteht aus den An¬ 
fängen der Blätter (feuilles rudimentaires), welche über ein¬ 
ander liegen, und aus einer belebten Zelle entstehen. Beim 
Keimen oder bei der Entwickelung des Embryo verlängern 
sich alle Theile oben, so wie bei den Thieren, welche sich 
nach allen Richtungen entwickeln. An einigen Monokotyle¬ 
donen (Phoenix, Xanthorrhoea, Allium Porrum) bleibt das 
Stamm-Knotenstück sehr kurz; an den andern (Flagellaria, 
Joinvillea, Calamus, Bambusa und den übrigen Gramineen) 
wird es lang, in jenem stehen die Blätter dicht zusammen, in 
diesem weiter von einander. Da das erste Individuum, der 
Embryo, eine Wurzel hat, so ist kein Grund vorhanden, 
warum die andern, die sich nach und nach in der Knospe 
entwickeln, keine haben sollten. Die Entwickelung einer Mo¬ 
nokotyledone geschieht in die Höhe durch Uebereinanderlegen 
der Stamm-Knotcnstiicke (merithalles tigellaircs) so klein und
        

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