Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik im Jahre 1840
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29420/4/
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desto mehr meint man alles zu wissen und alles zu verste¬ 
hen, und desto weniger will man gestehen, dass man sich ge¬ 
irrt hat. Endlich ist es ganz unzweckmässig, Streitigkeiten 
zu einem Hauptgegenstande des Jahresberichts zu machen, oder 
sie mit einer ärgerlichen, feindseligen Laune zu führen, wenig¬ 
stens zu zupfen und zu zerren, wenn man gegen die Haupt¬ 
sache nichts sagen kann. Die Anatomie und Physiologie der 
Pflanzen ist gar sehr solchen Streitigkeiten ausgesetzt gewe¬ 
sen, und ihre Fortschritte sind dadurch mehr aufgehalten als 
befördert worden. Mein Vorgänger in dieser Arbeit war von 
dem Vorwurfe der Streitsucht keinesweges freizusprechen; 
ich werde mich bestreben, ihm darin nicht nachzuahmen. 
Innerer Bau der Gewächse. 
Leber den innern Bau der Gewächse im Allge¬ 
meinen findet sich eine Abhandlung in den Annales des 
sciences naturelles, 2de sér. T. XIV. p. 16 —17 unter der Auf¬ 
schrift: Etudes phytologiques par le comte de Tristan* 
Prem. Mein, de la nature des tissus végétaux. Der 
Verf. geht von der Frage aus, ob das Gewebe der Vegetabi- 
lien gleichartig sei, oder nicht. In dieser Rücksicht betrach¬ 
tet er den Querschnitt des Stammes von irgend einer Pflanze, 
z. B. vom Mohn (Papaver somniferum), ferner des Blattstiels 
von Cucurbita maxima, und findet darin ein doppeltes Gewebe. 
Das erste nimmt den grössten Theil des Stammes oder Blatt¬ 
stiels ein und besteht deutlich aus Zellen, das zweite umgiebt 
die Gefassbündel. Doch sind diese nicht immer vorhanden, 
sondern es kommt auch ohne dieselben vor. Er verfolgt nun 
die feinen Faden des letzten bis in das ovarium, und sieht, 
dass es sich dort nur in hellen Spuren zeigt, woran man keine 
Organisation wahrnimmt. Spiralgefässe entstehen erst später 
in der Axe dieser Fäden. Die helle unorganisirte Substanz 
nennt er cambium und sagt von ihr, sie möge aus dem ersten 
Gewebe ausgeschwitzt sein, aber sie sei nicht damit einerlei. 
In dieser Rücksicht unterscheidet er das zweite Gewebe von ^ 
dem ersten, und da die Zellen dieses ersten Gewebes dem 
Schaum gleichen, nur beständiger sind, so nennt er das erste 
Gewebe aphrostase; das zweite, weil es die Gefässe begleitet 
und gleichsam führt, hegemon. In den Bäumen sondert eine
        

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