Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik im Jahre 1840
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29420/3/
Jahresberichte über das, was in einer Wissenschaft gelei¬ 
stet worden, wie sie zuerst Berzelius für Chemie und Phy¬ 
sik eingeführt hat, gehören zu den zweckmässigsten wissen¬ 
schaftlichen Einrichtungen, nur müssen sie drei Bedingungen 
erfüllen. Sie müssen erstlich nicht zu spät erscheinen, nicht 
wenn die Nachrichten den Kennern schon längst bekannt, also 
überflüssig sind, und wenn es mit diesem Jahresberichte der 
Fall sein sollte, so möge man bedenken, dass der unerwartete 
Tod des vorigen Berichterstatters, des Professors Meyen, eine 
Stockung veranlassen musste. Es ist immer besser, einzelne 
Aachen nachzuholen, als alle zu spät zu liefern. Die zweite 
Bedingung ist, die Vorträge der Verfasser so viel als möglich 
treu zu liefern, ohne sie mit einem eigenen Urtheile zu unter¬ 
brechen. Ja, es scheint mir besser, eine Arbeit ganz zu über¬ 
gehen, da doch die grösste Vollständigkeit nicht zu erreichen 
sein möchte, als sie von vorn herein für unbedeutend zu er¬ 
klären. Zuweilen ist es nöthig, den Verfasser wörtlich einzu¬ 
führen, um die Ruhe oder die Befangenheit zu zeigen, womit 
er seine Beobachtungen angestellt hat. Doch das geht nicht 
immer an, und dann ist es nicht selten sehr schwer, den Vor¬ 
trag eines Andern treu darzustellen, weil viele Verfasser nicht 
das Geschick haben, sich bestimmt und also deutlich auszu¬ 
drücken, ein Mangel, der sich besonders darin ifussert, dass 
sie zu viel Worte machen, gar oft, um nicht sagen zu dürfen, 
dass sie etwas noch nicht wissen, oder dass sie sich geirrt 
haben, oder nicht zu einer deutlichen Ansicht der Sache gekom¬ 
men sind. Je unerfahrener man in “ einer Wissenschaft ist, 
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