Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Arbeiten für physiologische Botanik im Jahre 1840
Person:
Link, Heinrich Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29420/22/
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den Ringon anschliesst oder nicht. Schon diese Darstellung muss 
gegen Schleidens Theorie Zweifel erregen. Ein Hauptgrund 
ist aber die Untersuchung von Tradescantia tuberosa, worauf 
Hr. Schl, sich beruft, besonders der Wurzeln, wo in den ersten 
Zuständen, in welchen sich die Fasern zeigen, diese schon die¬ 
selben Formverschiedenheiten, als Ring- und Spiralfasern haben 
wie in den spätem Zuständen. — Hierauf folgt nun die vor¬ 
läufige, im Anfänge dieses Absatzes angeführte Antwort von 
Hrn. Schleiden. Er glaube, sagt er, in seinen Beobachtungen 
nicht geirrt, sondern wirkliche Uebergangsstufen gesehen zu 
haben, indem z. B. der stehenbleibende Ring sich durch Schärfe 
der Zeichnung, Festigkeit und Klarkeit der Substanz wesent¬ 
lich von dem gelblichen, gallertartigen, an den Rändern aus¬ 
gefressenen und verwischten, in der Auflösung begriffenen 
Uebergangsstücke der Spirale unterscheiden lasse. Einige von 
Mohl gezeichnete Ringfasern mit Spiralfasern rechnet er zu 
den netzförmigen Geweben, ich möchte aber überhaupt, s^gt 
er, auch den Schluss von den entwickelten Formen auf die 
Entstehungsgeschichte als höchst misslich ansprechen, denn es 
kann Mohl nicht entgangen sein, dass sich nach Bildung der 
Grundspirale in gar manchen Fällen noch secundäre Fasern 
als Verbindungsglieder entwickeln, die aus einer ganz andern 
Substanz bestehend (weil auflöslich durch Kochen in Aetzkali) 
doch scheinbar nicht von der Spirale unterschieden sind, und 
die Erkennung der Grundspirale unendlich erschweren. Für 
eine solche secundäre Verbindungsart möchte er eine in 
Molds Figuren abgebildete halten. Was mich besonders be¬ 
wegt, sagt Hr. Schl, am Ende, bis jetzt noch an meinen An¬ 
sichten festzuhalten, ist die philosophische Nothwendigkeit in 
ächter Naturforschung, die Zahl der Erklärungsgründe so lange 
zu beschränken, als nicht die Unmöglichkeit, eine Erscheinung 
auf einen alten zurückzuführen, unabweisbar einen neuen fordert. 
Hrn. Schleidens Theorie über die Spiralbildungen in den 
Pflanzen ist eine Hypothese. Die Erklärung der verschiedenen 
Formen dieser Bildungen aus dem Verhältniss ihrer Entstehung 
zum Anwachsen der Zelle ist bequem ausgedacht, wenn sie 
nur erwiesen wäre. Aber die wunderbaren Luftblasen, welche 
Spalten und Poren machen sollen, scheinen willkürlich erdacht; 
kein anderer Untersucher hat davon eine Spur gesehen. Wie
        

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