Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Resultate der Arbeiten im Felde der physiologischen Botanik von dem Jahre 1839
Person:
Meyen, Franz Julius Ferdinand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29419/185/
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Kultur der Gerste liefse sich dagegen, wie Herr v. Baer zeigt, 
fiir Sitclia etwas erwarten, denn in Europa baut man dieselbe 
auf dem Kontinente bei 8° C. Sommertemperatur und auf In¬ 
seln bei 10°. Auf dem Küstensaume bei Neu-Archangelsk 
baut man jetzt einige Gemüsearten, unter welchen Kartoffeln 
und Blumenkohl sehr gut gedeihen; aufserdem zieht man Erb¬ 
sen, Möhren, Kohl und Rettig, und Herr v. Baer macht noch 
den Vorschlag, dafs man hier die Quinoa pflanzen sollte. Re¬ 
ferent sah die Kultur der Quinoa in den Hochebenen von Süd- 
Peru so häufig in viel rauheren Gegenden als der Sommer 
in Sitcha darbietet, dafs er den Vorschlag des Herrn v. Baer 
als einen für jene Kolonie sehr wichtigen erklären mufs. Die 
mittlere Sommertemperatur, welche die Quinoa bedarf, geht 
sicherlich bis unter 10° C., aber Referent fand den Anbau die¬ 
ser Pflanze nur in Gegenden, wo die Luft sehr trocken ist 
und wo Sonnenschein ganz gewöhnlich war. Die Saamen der 
Quinoa würden den Bewohnern von Sitcha, welche sicherlich 
noch nicht sehr verwöhnt sind, ein wohlschmeckendes und sehr 
nahrhaftes Getreide darbieten, welches sich wegen des grofsen 
Oelgehaltes noch vielfacher zubereiten läfst, als Roggen und 
Gerste; ja auch die Blätter der Quinoa-Pflanzen würden für 
jene Gegenden einen guten Spinat darbieten, der aber bei uns 
niemals Beifall finden wird, weil wir schon mit sehr vielen 
und besseren Sachen der Art versehen sind. 
An eben demselben Orte hat Herr v. Struve*) einige 
Mittheilungen über das Klima und die Vegetation von Okak 
auf Labrador nach den Beobachtungen des Missionärs Herrn 
C. B. Henn gemacht; die Stadt liegt nur 1 Grad nördlicher 
als Nain und Neu-Archangelsk. Während zu Neu-Archangelsk 
der Schnee in geringer Quantität fällt, ja zuweilen ganz fehlt, 
ist die Schneemasse zu Okak ganz ungeheuer. Die interes¬ 
santen Schilderungen der Witterung zu Okak beginnen mit 
dem August 1837, welcher ohne Schneien verging. Der Sep¬ 
tember fing mit starken Nachtfrösten an und am lOten war 
neuer Schnee und Eis. Am 18ten nahm man die Kartoffeln 
aus und von 580 Stück hatte man 3500 geärndtet, doch wach- 
*) Witterungsbeobachtungen, angestellt auf der Küste Labrador 
von dem Missionär C. B. Henn. 
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