Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Resultate der Arbeiten im Felde der physiologischen Botanik von dem Jahre 1839
Person:
Meyen, Franz Julius Ferdinand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29419/181/
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und grofser Wassermangel ist das Charakteristische der Step¬ 
pen. Nur eine geringe Zahl von Pflanzenarten bekleidet stets 
sparsam, theils in dichterem Gedränge den falben Boden, und 
die meisten Steppenpflanzen überziehen sich mit einer haar¬ 
reichen grauen Hülle, welche sie gegen den Wechsel der Tem¬ 
peratur schützen soll und die Feuchtigkeit der Luft einsaugt. 
Daher die graue, schmutzige Farbe der Steppenvegetation, und 
nur struppige Gräser, oft von Manneshöhe, scheinen hier den 
Mangel der Wälder ersetzen zu wollen. Die im Friihlinge 
plötzlich, gleichsam durch ein Wunder hervorgerufene Vege¬ 
tation geht mit raschen Schritten vorwärts und hat in einigen 
wenigen Wochen ihre verschiedenen Stadien durchlebt. Im 
Anfänge des Aprils, mit dem ersten warmen Tage, erscheinen 
die ersten Ankömmlinge des Frühlings: Tulpen, Ornithogalen 
und Irideen, und schon in der Mitte des Mai gleicht in trok- 
kenen Jahren die Steppe einer öden Brandstätte, in der die 
abgestorbenen Stengel saftreicher Pflanzen vom Winde im wir¬ 
belnden Laufe durch die Wüste getrieben werden. Im August 
beginnt ein neuer Frühling für die Salzpflanzen, welche bis 
tief in den Spätherbst mit ihren Früchten zu Anfänge des No¬ 
vember die Vegetation beschliefsen. Herr Claus unterschei¬ 
det die Vegetation der Steppe nach der Boden Verschiedenheit 
in vier Regionen, nämlich in die Lehm-, Salz-, Sand- und 
in die Gypsflötz-Region. Die Lehm-Region nimmt den 
gröfsten Theil der Steppe ein, sie bildet die nördliche Hälfte 
derselben. Die Artemisien bedecken diesen Boden fast aus- 
schliefslich und nur einige andere Pflanzen, als: Achillea Ger- 
beri und Pyrethrinn millefoliatinn kommen dazwischen vor. 
Die Pflanzen stehen hier meistens in dichten Büscheln. Viele 
Zwiebelgewächse, Cruciferen und Boragineen, aber wenige 
Umbelliferen, Labiaten und Gräser gehören dieser Region an. 
Die Salzregion befindet sich im Innern der Lehmsteppe 
hin und wieder zerstreut; es sind theils Salzseen von bedeu¬ 
tender Ausdehnung, theils Salzpfützen, theils mit einem Salz¬ 
anfluge bedeckte trockene Stellen, in deren Umgebung gröfs- 
tentheils Salzpflanzen vegetiren. Das Halocnemum strobila- 
ceum scheint den Salzboden am meisten zu lieben; es macht 
die nächste Umgebung der Salzseen und Salzpfützen; in spä¬ 
terer Jahreszeit kommt wohl Salicornia herbacea vorherr-
        

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