Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Resultate der Arbeiten im Felde der physiologischen Botanik von dem Jahre 1839
Person:
Meyen, Franz Julius Ferdinand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29419/173/
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lungsstufeu zusammengekommen. Ein scheidenförmiges Blatt, 
als eine niedere Entwickelungsform, kommt selten mit einer 
lippenförmigen Blume und wohl nie mit einer schmetterlings¬ 
förmigen zusammen vor. 
Drittes Gesetz. Bildungen, welche selten Vorkommen, wei¬ 
chen da, wo eine solche Verbindung stattfindet, von ihrer ge¬ 
wöhnlichen Gestalt, — die sie nämlich in andern Fällen ha¬ 
ben — oft gar sehr ab, und zwar so, dafs eine Hemmung in 
der Entwickelung oder auch eine gröfsere Entwickelung zu 
erkennen ist. Die Lippenblume kommt an den Dikotyledonen 
häufig, an den Labiaten mit gegeniiberstehenden Blättern vor, 
mit den Monocotyledonen, die fast immer wechselnde schei¬ 
denartige Blätter haben, erscheint sie selten verbunden, und 
wenn es der Fall ist, wie bei den Scitamineen, so erreicht sie 
doch nie den Grad der Ausbildung. „Da wir nun sehen, sagt 
Herr Link, dafs die organischen Körper sich auf verschiede¬ 
nen Stufen der Entwickelung befinden, da wir sogar bemer¬ 
ken, dafs dieses auch mit einzelnen Theilen der Fall ist, so 
mögen wir behaupten, dafs sie überhaupt ein Bestreben zu 
einer höheren Entwickelung und einer vollkommenen Gestalt 
haben, aber zugleich, dafs Hindernisse vorhanden sind, die sie 
von jener Vollkommenheit, wonach sie streben, mehr oder we¬ 
niger zurückhalten und diese können das Ganze oder sie kön¬ 
nen auch nur einzelne Theile treffen.“ Diese Betrachtungen 
führen uns dann zu der Ansicht über die Würdigung der na¬ 
türlichen Ordnungen, die sich nach dem zweiten Gesetze 
darstellen, wo die Theile in wenig verschiedenen Formen mit 
einander verbunden sind. Herr Link entwickelt die Gesetze, 
nach welchen die natürlichen Ordnungen aufzustellen sind; der 
Unterschied zwischen natürlicher und künstlicher Methode be¬ 
ruhe darin, dafs in jener die Kennzeichen von mehreren ge¬ 
nommen werden, in dieser dagegen von einem oder einigen 
wenigen. Es sei ein vergebliches Bemühen, bestimmte Kenn¬ 
zeichen für die natürlichen Ordnungen zu finden, und es bleibt 
also nur die Unveränderlichkeit der Kennzeichen als das Haupt- 
erfordernifs zur Unterscheidung der Abtheilungen des Systems 
übrig. Die natürlichen Systeme haben nur etwas Natürliches 
an sich, und es bleibt also weiter nichts übrig, als die Lücken 
auszufüllen und das natürliche System mit dem künstlichen zu
        

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