Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Resultate der Arbeiten im Felde der physiologischen Botanik von dem Jahre 1838
Person:
Meyen, Franz Julius Ferdinand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29418/91/
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Veränderungen, welche Zucker und Starke im Innern der 
Pflanzen zeigen, gehen mit ihnen auch aufserhalb der Pflan¬ 
zen vor, und defshalb wären sie zu betrachten als Verbin¬ 
dungen des Belebten und Unbelebten. Ein solches Raisonne¬ 
ment hat indessen wohl nur scheinbar etwas für sich, denn 
wir haben es kennen gelernt, dafs der Wärmeentwickelung 
in den Pflanzen und derjenigen in den Thieren eine und die¬ 
selbe Ursache zum Grunde liegt, und defshalb wird gelehrt, 
dafs die Wärme-Entwickelung in den Pflanzen und die Wär¬ 
me- Entwickelung in den Thieren gleichbedeutende Erschei¬ 
nungen sind. Der Chemismus liegt beiden zum Grunde, was 
aber Herr Treviranus von den Verbindungen des Belebten 
und Unbelebten spricht, das hat die Chemie noch nicht gelehrt. 
Man hat eine unendliche Zahl von Beobachtungen über die 
Temperatur im Innern des Holzkörpers bekannt gemacht, um 
durch diese eine selbstständige Wärmeentwickelung in den 
Holzkörpern der Pflanzen zu erweisen oder zu widerlegen, 
aber Referent (Phys. II. pag. 178) hat zu zeigen gesucht, dafs 
man hiezu keinen schlechteren Pflanzentheil habe wählen kön¬ 
nen, als den Holzkörper im Winter; daher denn auch das 
Resultat scheinbar negativ ausgefallen ist. Man unterdrücke 
die Transpiration, durch welche eine so grofse Menge der 
entwickelten Wärme unbemerkbar wird, und dann kann man 
die Wärmeentwickelung selbst an den zartesten Blättern der 
Pflanzen beobachten ! 
Die Wärmeentwickelung an den Blüthenkolben von Aroi- 
deen hat Hr. Trevira nus nun auch seit 1832 beobachtet, und er 
wird die Ergebnisse dieser Beobachtungen später noch im De¬ 
tail bekannt machen; gegenwärtig*) stellt er aber das Resultat 
auf, das jene Wärme äufseren und nicht inneren Ursprungs 
ist. Herr Treviranus glaubt, dafs diese Erscheinung bei 
Aroideen noch zu isolirt steht, als dafs man darüber mit Si¬ 
cherheit sprechen könne; die Wärmeentwickelung hierselbst 
wäre vielleicht mit derjenigen bei der Malzbildung, bei der 
G ähr un g und Fäulnifs in eine Klasse zu stellen. Aber es 
scheint, dafs auch hier, wieder aus Consequenz für vorgefafste 
Ansichten, selbst die ausgezeichnetsten Beobachtungen über- 
*) Physiologie der Gew. II. pag, 693.
        

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