Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Resultate der Arbeiten im Felde der physiologischen Botanik von dem Jahre 1837
Person:
Meyen, Franz Julius Ferdinand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29417/62/
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Stelle, ob man die Entstehung des rothen Zellensaftes aus 
einer Lösung und Umwandelung des Chlorophyll’s in den vor¬ 
hin angeführten Fällen erklären dürfe, da die griingefärbten 
Zellensaftkügelchen in diesem roth gefärbten Safte eben so 
schön gefärbt auftreten, als in gewöhnlichen Fällen. 
Herr v. Berzelius 47) hat die herbstliche Farbe der 
Pflanzen fti chemischer Hinsicht untersucht, auch er sah rothe 
Blätter nur an solchen Bäumen und Sträuchern, deren Früchte 
roth sind, indessen diese Annahme gilt nicht allgemein für das 
ganze Pflanzenreich, auch hat schon Herr Mo hl u. A. m. ver¬ 
schiedene Pflanzen aufgeführt, wo roth gefärbte Blätter mit 
anders gefärbten Früchten Vorkommen. Herr v. Berzelius 
untersuchte das Laub des Kirschbaumes und besonders das 
der rothen Johannisbeeren, welches oft so roth wie ihre rei¬ 
fen Beeren aussieht. Der Farbestoff wurde mit Alkohol aus¬ 
gezogen, welcher nach dem Abdestilliren eine rothe Flüssig¬ 
keit zuriickliefs, die erst vom gefällten Harze und Fette ab- 
filtirt werden mufste. Der Farbestoff ist in Wasser löslich 
und stimmt also wohl mit dem rothen Extractivstoffe überein, 
welchen Herr Marquart aus den rothen Blumen zog und 
für ein gesäuertes Blumenblau erklärte. Herr v. Berzelius 
nennt jenen rothen Farbestoff Ervthrophyll, Blattroth, und 
spricht sich gegen die Ansicht aus, nach welcher diese rothe 
Farbe immer nur ein gesäuertes Blau wäre, indessen er fand 
denselben auch in den Früchten des Kirschbaumes und der 
schwarzen Johannisbeere, so dafs dieser Farbestoff mit Herrn 
Marquart’s gesäuertem Blumenblau offenbar in nächster 
Verwandtschaft steht. 
Ganz besonders interessant sind Herrn v. Berzelius 
Untersuchungen über die gelbe Farbe der Blätter zur Herbst¬ 
zeit; dieser Farbestoff stimmt nicht mit dem Blumengelb des 
Herrn Marquart überein, sondern es ist ein eigentümliches 
Fett, ein Mittelkörper zwischen fettem Oele und Harz, wel¬ 
ches, mit Beibehaltung seiner Eigenschaft, in Alkohol schwer 
löslich, schmierig und fettig zu sein, ausgebleicht werden 
47) Ueber die gelbe Farbe der Blätter im Herbste und über den 
rothen Farbestoff der Beeren und Blätter im Herbste. — S, Annalen 
der Pharmacie. Bd. XXI. Ileidelb. 1837. S. 257 — 264.
        

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