Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahresbericht über die Resultate der Arbeiten im Felde der physiologischen Botanik von dem Jahre 1837
Person:
Meyen, Franz Julius Ferdinand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29417/116/
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Das Achsengebilde vergröfsert sich nach der Länge und 
Dicke und verzweigt sich nach und nach, also ganz ähnlich 
dem Niederwuchs. Es soll aber ein wesentlicher Unterschied 
zwischen dem Wachsthum des ‘Stengels und dem der Wur¬ 
zel darin bestehen, dafs ersterer nach gewissen Perioden sich 
in die Länge entwickelt, während die Wurzel der Perioden 
des Erdenlebens weniger unterworfen ist, und daher auch in 
allen Jahreszeiten stetiger fortwächst. 
Das Blatt entwickelt sich, indem es sich entfaltet; 
es ist nicht nur ein Strecken und Wachsen in die Länge, 
sondern ein Wachsthum in die Breite, und dieser Le¬ 
bensrichtung gemäfs weicht es von der senkrechten Stellung 
des Achsengebildes ab. Die gewöhnlichen oder Laubblätter 
sind vorzugsweise bestimmt, durch Ein- und Ausathmung luft¬ 
förmiger Flüssigkeiten die Säfte der Pflanzen zu vermehren 
und zu verbessern. Anders verhält es sich aber, wenn die 
Blätter umgestaltet, verwandelt (metamorphosirt) werden, eine 
Erscheinung, welche die Erzeugung des Keimes stets beglei¬ 
tet. An der Spitze aller Blattmetamorphose steht eine ge¬ 
schlechtliche Function; das Stempelblatt weiblicher Seite und 
das Staubblatt oder der Staubfaden männlicherseits schliefsen 
das schöne Spiel der Metamorphose ab. Diese geschlechtli¬ 
chen Blätter folgen nicht unmittelbar auf die grüne, sondern 
es gehen ihnen eine Reihe von Umwandlungen anderer Blät¬ 
ter voran, welche aber ebenfalls schon dem Fortpflanzungs¬ 
systeme angehören; sie zeichnen sich von den Laubblättern 
durch Gestalt und Farbe aus und man kann sie gefärbte Blät¬ 
ter nennen. Die Verwandelung der Laubblätter zu farbigen 
und zu geschlechtlichen Blättern nennt man die aufsteigende 
Metamorphose; die rückschreitende Metamorphose dagegen 
bezeichnet die Umgestaltung der metamoaphosirten Blätter in 
grüne Laubblätter. 
In der Blüthe schwindet das Achsengebilde scheinbar 
gänzlich und tritt als Blüthenboden auf. Die metamorphosir- 
ten Blätter stehen nun nicht mehr über, sondern neben einan¬ 
der und daher entwickeln sie sich fast gleichzeitig. 
Im Aufwüchse erscheinen drei wesentliche Punkte, in de¬ 
ren Entfaltung derselbe seine gesammte Bildungsthätigkeit dar¬ 
stellt: Knoten, Blatt und Internodium. Wenn man den Ur-
        

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