Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beschreibung eines auf der Altonaer Sternwarte aufgestellten galvanischen Registrirapparats für Durchgangs-Beobachtungen, nebst Vergleichung einiger an demselben bestimmten Personal-Differenzen mit solchen, die auf gewöhnliche Weise gefunden sind
Person:
Peters, C. A. F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29408/5/
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Nr. 1153. 
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Drähte ist ein feinerer Drath eingeschalten, der in vielen 
Windungen einen Elektromagneten umgiebt. Das benutzte 
Element besteht aus einem Kohlencylinder von 4 Par. Zoll 
Höhe und 3 Par. Zoll Durchmesser, und entsprechendem ver¬ 
quicktem Zinkblock mit einer Flüssigkeit, die aus einem Ge¬ 
misch von etwa 1000 Theilen Wasser auf 1 Theil Schwefel¬ 
säure besteht. Dieses Element ist deshalb so schwach 
genommen, damit beim Schliessen und Unterbrechen des 
galvanischen Stroms keine Quecksilberdämpfe sich bilden, 
die mit der Zeit nachtheilig auf die Passagenuhr einwirken 
könnten. So lange die metallische Verbindung zwischen den 
Gefässen AB und CD (Fig. Seite 8) stattlindet, mithin die 
galvanische Kette des erwähnten Elements geschlossen ist, 
zieht der eingeschaltete Elektromagnet einen Hebelarm an, 
wodurch alsdann eine zweite galvanische Kette geschlossen 
wird, die jedoch zu einer Batterie gehört, deren Wirkung 
beträchtlich grösser ist als die des vorhin genannten Ele¬ 
ments. Die Batterie besteht aus 14 Elementen von dersel¬ 
ben Grösse wie vorhin angegeben, deren Flüssigkeit aber 
etwas stärker gesäuert ist und aus einem Gemisch von etwa 
100 Theilen Wasser auf 2 Theile Schwefelsäure besteht. 
Würde das Wasser stärker gesäuert, so wären weniger Ele¬ 
mente erforderlich, allein die Batterie würde schneller an 
Kraft verlieren. Die beim Schliessen der letztem Kette sich 
berührenden Metailstücke sind von Platina. 
Der von der erwähnten Batterie ausgehende Strom um¬ 
kreiset den mittleren Elektromagneten des Schreibapparates 
und bewirkt dadurch die Notirung der Secunden der Passa¬ 
genuhr auf dem Cylinder. 
Das Glimmerblättchen, welches, wie bemerkt, zur Unter¬ 
brechung der metallischen Verbindung zwischen den Gefäs¬ 
sen AB und CD (Fig. Seite 8) dient, kann in einer Spalte 
des an der Ankerwelle befestigten Arms durch Schrauben 
fest geklemmt werden und wird darin so gestellt, dass die 
auf einander folgenden Secunden auf dem Cylinder nahezu 
von gleicher Länge werden. Die schärfere Berichtigung in 
dieser Beziehung geschieht mittelst einei Mikrometerschraube, 
durch welche das Gestell, worauf die Gefässe EF und GH 
(Fig. Seite 8) befestigt sind, auf und nieder bewegt werden 
kann. Da sich die Längen der auf dem Cylinder verzeich- 
neten Secunden mit einem Zirkel vergleichen lassen, so kann 
man diese Berichtigung mit einer grossen Schärfe, wie sie 
nach dem Gehör für eine Pendeluhr kaum zu erlangen ist, 
ausführen. 
Herr Krille hatte anfänglich mit dem Schreibstifte für 
die Uhrnotirungen noch ein Rad von 60 Zähnen in Verbin¬ 
dung gesetzt, welches bei jedem Schlage des Schreibstifts 
um einen Zahn sich drehte und im Laufe einer Minute ein¬ 
mal eine Secunde hindurch die Ausweichung des Schreibstifts 
um die Hälfte verringerte. Dadurch konnte der Anfang einer 
jeden Minute kenntlich gemacht werden. Später wurde je¬ 
doch diese Vorrichtung als überflüssig wieder beseitigt. — 
Das Uhrwerk, welches den Cylinder treibt, geht nämlich so 
gleichförmig, dass man mit Hülfe eines Lineals sogleich die 
Secunden erkennt, welche um zwei Minuten von einander ab¬ 
stehen. Dieses w'ird dadurch noch erleichtert, dass in Folge 
des Zickzacks, welchen der Uhrstift auf dem Cylinder be¬ 
schreibt, die geraden Secunden von den ungeraden sich un¬ 
terscheiden. Weiter unten wird erwähnt, auf welche Weise 
einzelne von den Secunden, die zu dem Anfang einer Minute 
gehören, kenntlich gemacht werden. 
Der beschriebene von Herrn Krille erdachte Unterbre¬ 
chungs-Apparat hat, wie erwähnt, viele Vorzüge. Zu den 
wichtigsten gehört, dass eine Oxidation des Quecksilbers 
durch Verbrennung nicht eintreten kann, indem beim Schlies¬ 
sen der Kette Quecksilber gegen Quecksilber stösst und dass 
der Unterbrecher auf den Gang der Passagenuhr durchaus 
nicht störend einwirkt. Dieses geht schon daraus hervor, 
dass in den Schwingungsweiten des Pendels kein Unterschied 
zu bemerken ist, jener Apparat mag an der Uhr angebracht 
sein oder nicht. Vor der Anbringung desselben an die 
hiesige Passagenuhr war die Schwingungsweite des Pendels 
2°44'; 12 Stunden nach der Anbringung zeigte sich dass 
der Bogen nicht allein nicht kleiner, sondern im Gegentheil 
noch um 1 Minute grösser geworden war, was jedoch ohne 
Zweifel einer andern Ursache zuzuschreiben ist. Auf der 
Münchener Sternwarte, wo die Schliessung der galvanischen 
Kette gleichfalls durch Quecksilber bewirkt wird, verkleinert 
sich die Schwingungsweite durch Anbringung der dortigen 
Unterbrechungsvorrichtung um ^ (ß. Eamont, Beschreib, der 
auf der Münchener Sternw. befindlichen Apparate. Seite 41). 
Ausserdem ist nach den hiesigen Erfahrungen anzunehmen, 
dass der Apparat länger als ein Jahr benutzt werden kann, 
bevor es nöthig sein wird, das Glimmerblättchen durch ein 
neues zu ersetzen, indem dieses sich unter der Einwirkung 
einer Batterie von 14 Elementen, deren Flüssigkeit viel stär¬ 
ker gesäuert war, nach Verlauf von 4 Wochen noch unbe¬ 
schädigt zeigte. Es dürfte dem Unterbrecher auch noch zur 
Empfehlung gereichen, dass er mit Leichtigkeit an jede Pen¬ 
deluhr angebracht werden kann. 
Derselbe galvanische Strom, der auf dem Cylinder die 
Notirung der Secunden der Ilauptuhr bewirkt, umkreiset auch 
noch in den einzelnen Beobachtungslocalen und in den Ar¬ 
beitszimmern dieser Sternwarte Elektromagnete, die bei jeder 
Secunde der Hauptuhr ein gezahntes Rad um einen Zahn 
bewegen und durch Rädersysteme, welche damit in Verbin¬ 
dung stehen, an jedem der genannten Orte die der Hauptuhr 
entsprechende Secunde, Minute und Stunde auf einem Ziffer-
        

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