Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Untersuchung der einfachsten psychischen Processe: IV. Abhandlung, Die Empfindungszonen des Sehnervenapparats
Person:
Exner, Sigmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29407/7/
ExporimÖÄ »1ö Untersuchung dor psychischen Processes. 587 
Es scheint daraus zu folgen, dass in jene, beiden Augen ge¬ 
meinsame, centrale Zone die Erregungsform, welche die Empfindung 
des Flimmerns hervorruft, fertig hingeleitet wird. Ich sage, es 
scheint zu folgen, denn wir werden später sehen, dass der ange¬ 
führte Versuch noch eine andere Deutung zulässt. Der ausge¬ 
sprochene Satz ist aber richtig, denn es kann nicht zweifelhaft sein, 
dass die Veränderungen, welche dieser Flimmerempfindung zu Grunde 
liegen, ebenda stattfinden, wo das positiv gleichgefärbte Nachbild 
abläuft, also in der b-Zone der Retina. Es dürfte sich zu diesem, 
wie es die Plateau’sche Scheibe zeigt, verhalten, wie die Em¬ 
pfindung einer massig raschen Succession von Schlägen auf die 
Fingerhaut zu dem Kitzel, welches die Zähne eines rasch laufenden 
Zahnrades in derselben hervorruft. Es ist übrigens nach dem was 
wir schon wissen nicht anders denkbar, als dass diese Form der 
Nervenerregung, welche in uns das Gefühl des Flimmerns hervorruft, 
ihren Ursprung in der Retina hat, denn diese ist, wie wir bei dem 
Versuch mit elektrischer Reizung der Opticusfasern sahen, das 
trägste im ganzen Sehnervenapparat. Die centraleren Regionen ver¬ 
mögen öfter in der Secunde die Empfindung von Schwarz-Weiss zu 
liefern, als jene Schichte der Retina. 
Wenn man bei der geschilderten Versuchsanordnung die Schei¬ 
ben langsamer dreht, bis das eigentliche Flimmern aufgehört hat, 
so gewahrt man ein Verhalten der Erregungen beider Augen zu 
einander, welches dem schon geschilderten analog ist. Man sieht 
zwar mit beiden Augen einen häufigeren Wechsel von Schwarz und 
Weiss, jedes aber von einer Intensität, welche unabhängig davon ist, 
ob man ein Auge schliesst oder nicht. Es führt uns diess zu einer 
weiteren hier zu besprechenden Thatsache. 
Es giebt eine beiden Augen gemeinsame Empfindungszone. 
Wenn die Empfindung, welche die Nervenfaser a liefert, durch eine 
Erregung in der Nervenfaser b alterirt wird, so müssen die beiden 
Leitungen, irgend wo eine Wechselwirkung der in ihnen verlaufenden 
Erregungen ermöglichen. Demnach muss der Ort, an welchem 
die Wechselwirkung stattfindet, als Ursprung einer Empfindungsform 
der obigen Feststellung gemäss eine Empfindungszone genannt wer¬ 
den. Beruht die Wechselwirkung nur auf Unterdrückung der durch a 
geleiteten Empfindung in Folge der Erregung in b, so hat man sich
        

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