Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Winterweizenarbeiten in Svalöf in den Jahren 1900 - 1912
Person:
Nilsson-Ehle, Herman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29288/11/
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Nilsson-Ehle: 
hielt, hörte die fortgesetzte Auslese in detn alten, vorher beschriebenen Sinne 
vollständig auf. Die fortgesetzte Verbesserung" wurde statt dessen durch 
künstliche Kreuzungen erzielt. Neben diesen künstlichen Kreuzungen wurde 
dann von mir die fortgesetzte Beurteilung des durch frühere Formentrennung 
vorliegenden Materiales gemacht und daraus allmählich die besten Formen 
ausgelesen. Außerdem wurde neue Selektion von älteren Landrassen sowie 
auch von älteren Kulturen der neuen Pedigreesorten, bei denen vielleicht 
doch im Laufe der Zeit unabhängig von natürlichen Kreuzungen erbliche 
Abänderungen eingetroffen waren, vorgenommen. 
Linientrennung statt Fornientrennung. 
Die Auslesemethode sowohl bei der Bearbeitung alter Sorten, als auch 
bei Kreuzungen wurde auch insofern von 1901—1903 ab geändert, als Linieu- 
trennung statt Formentrennung eingeführt wurde. Es zeigte sich nämlich 
deutlich, daß auch bei etwa gleichbleibendem, morphologischem Typus die 
gerade für die Züchtung wichtigen, physiologischen Eigenschaften wesentlich 
verschieden sein konnten. In bezug auf Winterfestigkeit hob ich dies 1901 
auf Grund meiner in dein Jahre gemachten Beobachtungen über Winter¬ 
festigkeit (1) hervor, und das Gleiche stellte sich heraus in Bezug auf 
andere physiologische Eigenschaften, wie Ertragfähigkeit, Resistenz gegen 
Gelbrost, Lagerfestigkeit, Frühreife usw. Ferner wurde es im Laufe der 
Untersuchungen durch immer mehr Beispiele deutlich, daß die erbliche 
Variation bei den Getreidearten unmöglich in der Gestalt einer bestimmten 
Zahl von wohlcharakterisierten Formen oder Elementararten dargestellt 
werden konnte, sondern bei den meisten Eigenschaften, nicht am wenigsten 
den genannten physiologischen, praktisch wichtigen, eher als eine Reihe 
scheinbar kontinuierlich miteinander verbundener Abstufungen, infolge wo¬ 
von eine anscheinend einheitliche Individuengruppe durch Separatanbau der 
etwa gleich aussohenden Pflanzen doch in verschiedenartigen Nachkommen¬ 
schaften aufgelöst werden konnte.Es wurde dadurch klar, daß die Züchtung 
sich nicht damit begnügen könne, diejenigen botanisch verschiedenen Formen, 
die aus alten Rassen oder aus Kreuzungen getrennt werden konnten, rein¬ 
zuzüchten und miteinander zu vergleichen, sondern die Methode wurde, 
eine möglichst große Anzahl von Pflanzen separat anzubauen, ob diese ein¬ 
ander gleich waren oder nicht, und ihre Nachkommenschaften auf ihre 
praktisch wertvollen Eigenschaften zu untersuchen und zu vergleichen. Wie 
diese Methode bei der Kreuzungsarbeit praktisiert wird, soll im folgenden 
näher beschrieben werden (vergl. S. 83—85). 
Erster Erfolg meiner praktischen Kreuzungsarbeiten. 
ln den neunziger Jahren wurden bei Svalöf Weizenkreuzungen haupt¬ 
sächlich zur Steigerung des Formenreichtums vorgeuonmien, middies deshalb 
ohne Rücksicht darauf, ob mit den angewandten Elterusorten ein Kombinations- 
*) Vergl. auch meine sich hierauf beziehende Ausführung bei dem VIII. laudw. Kon¬ 
gresse AVien 1907, Bd. T, Sektion III B, S. 288—290.
        

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