Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Kenntnis der Erblichkeitsverhältnisse der Eigenschaft Winterfestigkeit beim Weizen
Person:
Nilsson-Ehle, Herman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29287/9/
Zur Kenntnis der Erblichkeitsverhältnisse beim Weizen. 
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Eltern: ABC X abc, 
aBC abC, 
AbC aBc, 
Kombinationen: ABC ABc Abc abc, 
die Kombinationen mit intermediärer Faktorenzahl und auch die ent¬ 
sprechenden intermediären Abstufungen der betreffenden Eigenschaft 
(wenn die Wirkung der Faktoren eine solche ist), am zahlreichsten 
werden, ebenso müssen aus Kreuzung zweier intermediärer Abstufungen, 
z. B. ABc x abC, transgressive Abstufungen hervorgehen, ABC auf der 
einen Seite, abc auf der anderen. 
Meine in den Jahren 1909 und 1912 gemachten überein¬ 
stimmenden Beobachtungen über das häufige Entstehen von 
transgressiven, d. h. im Vergleich mit den Eltern mehr oder 
weniger winterfesten, Abstufungen aus Kreuzung von inter¬ 
mediär-winterfesten Linien bilden also eine besonders hervor¬ 
zuhebende Ergänzung zu den im Jahre 1901 über Kreuzungen 
zwischen sehr und weniger winterfesten Formen gemachten 
und bestätigen aufs beste meine auf Grundlage der 1901-Be- 
obachtungen aufgestellte Annahme, dass die Winterfestigkeit 
eine zusammengesetzte Eigenschaft ist, von mehreren men¬ 
delnden Faktoren bedingt. Mit dieser Annahme stehen alle Tat¬ 
sachen in Übereinstimmung, auch z. B. die oben hervorgehobene grössere 
und mehr auffallende fortgesetzte Spaltung der intermediären Linien im 
Vergleich mit den extremen. 
Nur kann über die Anzahl und spezifische Wirkung dieser zugrunde¬ 
liegenden Faktoren vorläufig nichts gesagt werden. Die Schwierigkeiten, 
die Faktoren dieser physiologischen Eigenschaft näher auseinander zu 
setzen, liegen teils darin, dass eine exakt zahlenmässige Behandlung des 
Materiales kaum möglich ist, teils und vor allem darin, dass solche 
äussere Verhältnisse, die eine vollständige Beurteilung der Spaltung 
zulassen, wohl niemals eintreffen: in einem sehr strengen Winter werden 
z. B. alle am wenigsten winterfesten Linien vielleicht vollständig ver¬ 
nichtet, und die doch möglichen ev. Differenzen zwischen denselben 
entziehen sich dann unserer Beobachtung; in einem mässig strengen 
Winter, wo diese Differenzen unter wenig winterfesten Formen deutlich 
hervortreten, werden umgekehrt die winterfesteren Linien vollständig ge¬ 
schont und die ev. Differenzen zwischen denselben treten nicht hervor. 
Auf Grund der schon gewonnenen Kenntnisse wären immerhin in 
züchterischer Beziehung folgende Hauptpunkte besonders hervorzuheben. 
1. Die Eigenschaft Winterfestigkeit zeigt dieselbe Vererbungsweise 
wie andere Eigenschaften. Nach Kreuzungen ist immer deutliche Spaltung 
vorhanden. Diese Spaltung ist allerdings kompliziert, und sämtliche
        

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