Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Organisation der Pflanzenzucht und des Saatbaus in der deutschen Landwirtschaft
Person:
Evers, Karl Heinrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29217/51/
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wird ihr in der Praxis nur dadurch begegnen können, daß man 
den Tausch auf der erörterten Basis energisch propagiert. 
Ein Hindernis allerdings ist dabei zu überwinden. Selbst 
wenn der Anbauer von Originalsaat ein guter Ackerwirt ist, 
der seine Felder unkrautfrei hält und der Saat alle nur mögliche 
Pflege angedeihen läßt : eine gründliche Reinigung und Sortierung 
des Saatgutes ist doch vonnöten, ehe er das Saatgut an seine 
Nachbarn weitergeben kann. Eine moderne Saatreinigungs¬ 
anlage ist aber äußerst kostspielig. Ein einzelner kleiner Land¬ 
wirt kann sie nicht bezahlen, und wenn er sie bezahlen kann, 
wird sie sich nicht rentieren, weil die zu verarbeitenden Mengen 
zu klein sind. 
Wir müssen deshalb mit der Zeit dahin kommen, daß in 
den einzelnen Bezirken Saatreinigungsanlagen für die 
Allgemeinheit der Kleinbesitzer geschaffen werden, die sie im 
Lohnverfahren für sich in Anspruch nehmen können. 
Auf gutem Wege ist in dieser Beziehung die Entwicklung 
im Freistaat Sachsen. Der Landeskulturrat unter Leitung von 
Geheimrat Andrä hat im Jahre 1922 aus den Überschüssen, die sich 
bei der Getreideumlage ergaben, den Genossenschaften für solche 
Reinigungsanlagen Zuschüsse gewährt bzw. Kredite eingeräumt. 
Eine kleine ländliche Genossenschaft in Kührcn machte den ersten 
Versuch und stellte eine solche Reinigungsanlage zur Lohnarbeit 
für ihre Mitglieder auf. Die Genossenschaft machte ein gutes 
Geschäft und konnte auch ihrerseits die Verwendung guten 
Saatguts fördern : wenn nämlich ein Landwirt mit Getreide 
kommt, das er als Saatgut gereinigt haben will und das schon 
nach seiner äußeren Beschaffenheit als minderwertig bezeichnet 
werden muß, dann verwendet die Genossenschaft das Getreide 
anderweitig und gibt dem Landwirt unter entsprechender Ver¬ 
rechnung aus ihren eigenen gut gereinigten und hochwertigeren 
Beständen ab. Der Versuch hat sich bewährt und der Landes¬ 
kulturrat in Sachsen wird deshalb in den nächsten Jahren diese 
Entwicklung weiter fördern. 
Solange sich solche Reinigungsanlagen aber nicht überall 
finden, muß man in bezug auf die Anerkennung des ersten 
und zweiten Nachbaues bei bäuerlichen Besitzern eine 
gewisse Weitherzigkeit gelten lassen. Wir werden erleichterte 
Bestimmungen zu einer Saatkörung in bäuerlichen Betrieben 
aufstellen müssen, wie sie Weihenstephan heute schon in Bayern 
eingeführt hat. 
Im übrigen müssen der Kreissaatbauverein und sein 
Zuchtinspektor darauf sehen, daß der Verein sich nur aus wirklich 
passionierten Landwirten zusammensetzt, selbst auf die Gefahr 
hin, daß im Anfang deren Zahl gering ist. Wie Dr. Bischof- 
Ebsdorf im Herbst 1922 in einem interessanten Vortrage über 
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