Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Organisation der Pflanzenzucht und des Saatbaus in der deutschen Landwirtschaft
Person:
Evers, Karl Heinrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29217/15/
vorhanden sind. Das Kreuzungsprodukt besitzt also die Mög¬ 
lichkeit, vom Vater und von der Mutter alle vorhandenen Art¬ 
merkmale fortzupflanzen. In diesen Erkenntnissen über die 
Chromosomen der Fortpflanzungszellen erblickt die Wissenschaft 
die wichtigste Grundlage, um das Wesen der Vererbung zu erklären. 
Die in der modernen Pflanzenzüchtung vorbommenden 
Individuen weisen allerdings eine so große Zahl von verschiedenen 
Artmerkmalen auf, daß es nicht leicht ist, den VererbungsVor¬ 
gängen bis ins einzelne für jedes Merkmal nachzugehen. Die 
Kombinationen, die bei Kreuzung zweier Individuen eintreten 
können, sind zahllos, und die Systeme, in denen einzelne Erb¬ 
einheiten von väterlicher und mütterlicher Seite in dem Kreuzungs¬ 
produkt sich koppeln, sind noch wenig erforscht. Es stehen 
aber bestimmte Merkmale mit einer gewissen Regelmäßigkeit 
in einem Gegenseitigkeitsverhältnis zueinander. Wir 
nennen dieses Verhältnis Korrelation. Aus diesen Korrelationen 
lassen sich für die praktische Züchtung wichtige Schlüsse ziehen. 
Besteht zum Beispiel beim Getreide zwischen der Samenfarbe 
und der Winterfestigkeit eine Korrelation, so kann man die 
Auslese auf Winterfestigkeit nach der Farbe vornehmen. Leider 
sind solche Korrelationen von äußeren Merkmalen zu den wich¬ 
tigsten inneren Eigenschaften unserer Feldfrüchte, z. B. für 
Winterfestigkeit und hohen Ertrag, in der Regel noch nicht ge¬ 
funden. Vermutlich sind gerade die wichtigsten Nutzeigenschaften 
nicht an einzelne Erbeinheiten geknüpft, sondern das Ergebnis 
eines Zusammenwirkens einer großen Zahl von Erbeinheiten. 
Die Vererbungslehre stand in ihren Grundzügen bereits 
fest, als sie im Jahre 1900/1901 eine überraschende Bestätigung 
und Ergänzung fand durch die Wiederauffindung der Mendelschen 
Spaltungsgesetze im Rahmen der Vererbung. Gregor Mendel, 
1822 in Österreich geboren, studierte als Mönch Naturwissen¬ 
schaft und war einige Jahre an einer Schule in Brünn Lehrer der 
Naturkunde. Er stellte in dieser Zeit Versuche über Vererbung 
bei Pflanzen durch Kreuzung an. Das außerordentlich wichtige 
Ergebnis seiner Untersuchungen übergab er dem Naturforscher 
Nägeli, der aber von den Forschungen keinen Gebrauch machte. 
Da Gregor Mendel bald wieder als Abt in sein Kloster zurückging, 
wo er sich diesen Studien nicht weiter widmen konnte, geriet 
das Material in Vergessenheit. Tschermak in Wien hat dann 
die Mendelschen Regeln um das Jahr 1900 neu entdeckt. Sie 
lassen sich an einem praktischen Beispiel am schnellsten 
klarmachen : 
Mendel kreuzte eine weißblühende mit einer rotblühenden 
„Mirabilis Jalapa“ und säte den Samen aus. Die erste Generation, 
wir wollen sie F1 nennen, ergab bei der Blüte überraschender¬ 
weise lauter rosa Blüten. Mendel säte wiederum den Samen aus
        

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