Bauhaus-Universität Weimar

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J. C. Reil. 
nämlich einerlei Erscheinungen hervorbringen; da hingegen die 
zusammengesetzten Organe ein Inbegriff der Kräfte einfacher 
Organe sind, der sich verhält, wie sich die einfachen Organe 
verhalten, aus welchen sie zusammengesetzt sind. 
1. Das einfachste Organ ist wohl die Faser, eine der 
Länge nach aneinander gereihete tierische Materie. Diese ist 
Zell- oder gemeine Knochen-, Nerven- und Muskelfaser. Von 
der gemeinen oder von der Muskelfaser, wie man will, gibt 
es wieder mancherlei Varietäten und Gattungen. Die Fasern, 
z. B. in der harten Hirnhaut, in den Membranen, Sehnen, in 
der Gebärmutter unterscheiden sich merklich voneinander. 
2. Aus den Fasern einer, oder verschiedener Art, werden 
andere schon zusammengesetztere Organe gebildet, die aber 
noch keinen letzten Zweck haben, sondern ebenfalls wieder als 
Materialien zu abermals zusammengesetzteren Organen zu be¬ 
trachten sind. Dahin rechne ich die Gefäße und ihre ver¬ 
schiedenen Arten, die Nerven, die Knochen, Bänder, Membrane, 
Knorpel, das Muskelfleisch usw. Diese Teile geben zwar schon 
gemischtere Erscheinungen, nach Maßgabe ihrer mehreren Zu¬ 
sammensetzung; allein ihre hervorstechenden Wirkungen richten 
sich doch vorzüglich nach der Gattung von [44] Fasern, die 
in ihnen die Oberhand hat. Die Nerven, die Gefäße usw. sind 
zwar aus ungleichartigen Elementarorganen zusammengesetzt, 
haben aber doch etwas Gemeinschaftliches in ihren Wirkungen 
und Gegenwirkungen, das uns eine leichtere Übersicht ihrer 
gesunden und kranken Erscheinungen gewährt. 
3. Endlich vollendete Organe, die sämtlichen Eingeweide, 
die Sinnorgane, die Muskeln usw., die aus Gefäßen, Membranen, 
Muskelfasern, Nerven usw. nach einem zweckmäßigen und be¬ 
stimmten Verhältnis konstruiert sind, und durch ihre endliche 
Zusammenfügung das letzte Glied in der Kette der Organi¬ 
sation, nämlich das Ganze bilden. Diese vollendeten Organe 
bestehen aus einfachen Organen, von welchen jede Art ihre 
eigene Mischung hat, und sind in sehr verschiedenen Verhält¬ 
nissen aus den einfacheren Organen zusammengesetzt, so daß 
jedes vollendete Organ eine ihm eigentümliche Mischung und 
Bildung der tierischen Materie hat. Daher gibt auch jedes 
vollendete Organ seine eigentümlichen Erscheinungen, hat seine 
eigene Physiologie nötig, und schon von alten Zeiten her hat 
man jedem vollendeten Organ ein eigenes Leben (vita propria) 
zugeschrieben.
        

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