Bauhaus-Universität Weimar

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J. C. Eeil. 
nehmen wir auch in den Erscheinungen der Tiere und Pflanzen 
eine gewisse eigentümliche und unverkennbare Ähnlichkeit wahr. 
Daher fassen wir, und zwar mit Recht, Tiere und Pflanzen 
unter dem gemeinschaftlichen Namen organischer Wesen zu¬ 
sammen, und sondern sie von der toten Natur ab. Allein, 
obgleich die Mischung und Form der tierischen und vegetabi¬ 
lischen Materie Ähnlichkeit hat, so ist sie sich doch nicht 
gleich.1) Daher haben auch die Pflanzen und das Tier jedes 
seine eigentümliche Erscheinungen, durch welche sie sich unter¬ 
scheiden. 
Warum sind die Erscheinungen tierischer Körper so not¬ 
wendig an eine gewisse Mischung und Form der Materie ge¬ 
bunden? Warum ändern sich die Erscheinungen der Tiere, so¬ 
bald wir die Materie derselben ändern? Wenn wir die tierischen 
Körper anfeuchten, trocknen, spannen, erschlaffen, verdichten, 
kurz, die physische Beschaffenheit der Materie abändern; so 
wird zugleich auch die Stimmung der Lebenskraft mit geändert. 
Eine Veränderung der Materie verursacht eine Veränderung 
ihrer sämtlichen Kräfte, und wir haben keine Mittel, wie 
mancher Arzt wohl denken mag, die allein auf die Lebens¬ 
kräfte, und andere, die allein auf die toten Kräfte wirken. 
Warum [24] leben nicht auch die Steine, die Vaucansonschen 
Automaten und die Kempelschen Schachspieler, wenn zum 
Leben nichts weiter gehört, als daß man eine Seele oder einen 
Lebensgeist in eine tote Materie hineinpflanzt? Warum hat nie 
ein Mensch Kürbisse getragen, nie ein Esel geweissagt, und nie 
die Eiche ihre Äste nach Willkür bewegt, wie das Tier seine 
Glieder? 
Die Komposition der tierischen Materie ist von den ein¬ 
fachsten Elementen an bis zu den vollkommensten Organen 
höchst eigentümlich. Wir finden überall verschiedene Grund¬ 
stoffe, ein verschiedenes Verhältnis ihrer Mischung und mehrere 
Ordnungen einfacher und zusammengesetzter Bestandteile. Schon 
durch die bloßen Sinne nehmen wir es wahr, daß ein jedes 
Organ seine eigene Mischung, und zwar dasselbe Organ immer 
dieselbe Mischung hat. Wie eigentümlich ist das Gemisch der 
Materie beim Muskelfleisch, Nervenmark, Zellgewebe, Ein- 
geweiden, Knochen? Wie verschieden voneinander? Ein Nerv, 
der als Nerv wirkt, hat seine eigene, und nie eine andere 
1) Grens Chemie, II. Teil § 1395 S. 272 (II. Aufl.).
        

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