Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentalkritik der Entladungshypothese über die Wirkung von Nerv auf Muskel (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1874, S. 519)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29163/26/
§. VI. Secundär-elektromotorischc Erscheinungen am Organ des Zitterwelses. 723 
niger Windungen sie besteht.1 Die Schlagdauer einer einzigen 
elektrischen Platte ist also möglicherweise ungleich kleiner, 
als die des ganzen Organes. 
Und nun sieht man, welche Bedeutung diese Ergebnisse für die 
Entladungshypothese haben. Es schien dieser Hypothese zu widerspre¬ 
chen, dass unnützerweise der Schlag der Endplatten, nach Analogie des 
Zitterfischschlages, so lange dauern solle wie die Zuckung selber. Dies 
anzunehmen, ist nun aber nicht mehr nöthig. Der Schlag des ganzen 
Organes, verlängert und nebenbei verstärkt durch positive Polarisation, 
ist von etwa gleicher Dauer mit der Zuckung. Der Schlag einer einzel¬ 
nen elektrischen Platte, und also [547] auch der einer Endplatte, wenn 
diese einer elektrischen Platte vergleichbar ist, kann viel flüchtiger sein, 
so flüchtig, dass wenn es nur nicht, nach Hrn. Mabey, für diesen Schlag 
selber ein Stadium latenter Beizung gäbe, er in das Stadium der laten¬ 
ten Beizung des Muskels wohl hineinpassen könnte. 
§. VH. Versuche über secundäre Zuckung durch Entladung 
der Endplatten. 
Setzen wir uns eine Zeit lang über die Schwierigkeit fort, welche 
darin hegt, dass nach der ursprünglichen Hypothese eine Endplatte nicht 
bloss auf die zugehörige, sondern auch auf die Nachbarfasern erregend 
wirken würde, und vergessen wir, dass nach Hrn. Sachs’ Versuch dies 
in Wirklichkeit nicht stattfindet. Alsdann bietet sich noch ein Weg, die 
Entladungshypothese durch den Versuch zu prüfen. Von diesem Stand¬ 
punkt aus ist nämlich der Schluss erlaubt, dass möglicherweise die Ent¬ 
ladung sämmtlicher Endplatten nicht bloss auf den Muskel erregend 
wirke, sondern auch einer Wirkung nach aussen fähig sei, wie Hr. Krause 
sich dies dachte, als er die Meissner’scIic positive Schwankung der Ent¬ 
ladung der Endplatten zuschrieb. 
Die positive Schwankung hat nun zwar, wie ich zeigte, mit der Ent¬ 
ladung der Endplatten nichts zu thun, da sie nur eine verlarvte negative 
Schwankung ist (s. oben S. 699). Doch könnte die negative Schwankung 
einen Antheil in sich bergen, der von der Entladung herrührte, und von 
der Schwankung durch geeignete Mittel sich scheiden liesse. Auf dop¬ 
pelte Weise könnte solcher Antheil sich erkennen lassen. 
Erstens dadurch, dass man am zuckenden Muskel eine andere Ver- 
theilung der Spannungen nachwiese, als am ruhenden. 
i S. oben Bd. I. S. 237. 
46»
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.