Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die räumliche Ausbreitung des Schlages der Zitterfische (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1864, S. 317)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29162/15/
§. IV. Von der Abwesenheit isolirender Hüllen am elektrischen Organe. 681 
geheure Wirkungen zu verstehen, doch immer eine sehr grosse elektro¬ 
motorische Kraft ihrer Elementarketten voraussetzen.1 
Dass Deluc von seiner unter Wasser versenkten Säule keine Wir¬ 
kung erhielt, erklärt sich so, dass das Wasser zwischen das Silber und 
Zink der einzelnen Paare drang, daher auch die aus dem Wasser ge¬ 
nommene und äusserlich abgetrocknete Säule unwirksam blieb.2 3 Mit 
anderen Worten, Deluc’s versenkte Säule war keine Säule mehr. 
[335] Es hat also nicht allein keine Schwierigkeit, zu begreifen, 
wie ohne Isolation die Summirung der Wirkungen geschehe, sondern die 
Schwierigkeit hegt eher auf der entgegengesetzten Seite. Nur wenn eine 
Säule aus verschwindend kleinen Elementen in einer Stromcurve ge¬ 
bogen ist, gelingt es schon jetzt, die Wirkung einer die Säule umgeben¬ 
den isolirenden Hülle wirklich scharf zu bestimmen, und alsdann ist 
diese Wirkung Null, wie stets, wenn eine Stromfläche isolirend gemacht 
wird (vergl. oben S. 676). Für den Fall einer anderen Biegung ist 
zwar die Wirkung nicht Null, aber zu vernachlässigen, da das Ein¬ 
tauchen eines beliebig' gebogenen Glasfadens in eine Flüssigkeitsmasse, in 
welche zwei punktförmige Elektroden tauchen, die Strömung nicht merk¬ 
lich ändert. Für dèn Fall eines endüchen Querschnittes der Säule, wie 
auch sonst unter anderen als den obigen Annahmen, lässt sich der Unter- 
1 Ich habe 1852 in London mit den HH. Fabaday, Bence Jones und An¬ 
deren Folgendes gesehen. Wir wollten erfahren, wie der Gymnotus der Polytechnic 
Institution gegen fremde elektrische Schläge sich verhalte, da er für seinen eigenen 
unempfindlich scheint. Auf der Bahn des Fisches, der ruhig den Wänden seines 
etwa 2m langen, 1 ■ 5 m breiten und 0-5 m tiefen Troges entlang schwamm, wurde 
gleichsam ein Thor aus breiten Kupferplatten gebaut. Vielleicht weil er erblindet 
war, liess er dadurch in seinem gewohnten Kreise sich nicht stören. In dem Augen¬ 
blicke, wo der Kopf des Fisches zwischen den Platten sich befand, entlud Hr. Fa¬ 
baday durch sie eine Leydener Batterie, oder ich machte die Platten zu Elektroden 
der secundären Rolle meines Schlitteninductoriums. Allein obschon wir die Schläge 
allmählich bis zur grössten Stärke steigerten, welche die Vorrichtungen gerade zu- 
liessen, gelang es uns nicht, den mächtigen Temblador aus seinem Gleichmuthe zu. 
bringen. Aus doppeltem Grunde kein Wunder; einmal weil unstreitig der Gymno¬ 
tus mit dem Malopterurus die seitdem von mir an diesem entdeckte relative Immu¬ 
nität gegen elektrische Schläge theilt (s. oben S. 638) ; füris zweite, weil sich ergab, 
dass wegen der Ausbreitung des Stromes in der bedeutenden Wassermasse auch 
ein Mensch, der die Hände zwischen den Kupferplatten hielt, von den Schlägen des 
Inductoriums nichts empfand. Als aber, während ich diesen Versuch anstellte, dem 
an der anderen langen Seite des Troges befindlichen Gymnotus ein Frosch auf den 
Rücken gesetzt wurde, und der Gymnotus, das Lebendige spürend, nunmehr seine 
Batterien entlud, erhielt ich einen Schlag bis in die Elbogen, der mir reichlich An¬ 
lass gab, über die grosse Ueberlegenheit der elektrischen Organe nachzudenken. 
3 Ibidem, p. 256.
        

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