Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Jodkalium-Elektrolyse und Polarisation durch den Schlag des Zitterwelses (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1861, S. 1105)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29161/8/
§. II. Der secundäre Jodfleck im verzweigten Kreise. 
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ffar sie nach 25 " verschwunden. Abwischen der Spitze macht ihr sofort 
ein Ende. 
Durch anhaftendes Jod, welches sich etwa in der Jodkaliumlösung 
auf löste, ist diese Wirkung nicht zu erklären. Eine Platinspitze, welche 
nicht als Anode gedient hat, in der Mitte des Fleckes und dann anderswo 
aufgesetzt, bringt keinen ähnlichen Fleck hervor, und die Wirksamkeit 
der Anode nimmt mit Dauer und Stärke des Stromes zu, da doch die 
anhaftende Jodmenge sehr bald eine nicht zu überschreitende Grenze er¬ 
reichen muss. Nach Hrn. Faraday soll zwar bei der Jodkalium-Elektro¬ 
lyse nur Jod an der Anode, Kalium (secundär Kali und Wasserstoff) an 
der [1114] Kathode erscheinen.1 Ich sehe aber zur Erklärung der ört¬ 
lichen Wirksamkeit der Anode keinen Ausweg als sich zu denken, dass 
die Anode, ausser mit Jod, noch mit Ozon sich bekleide. Dass eine Pla¬ 
tinspitze, welche als Anode destillirtes Wasser zersetzt hat, einen Fleck 
auf Jodkaliumpapier erzeugt, davon habe ich mich zum Ueberfluss mit 
Hrn. Dr. 6. Quincke an einer sechziggliederigen GnovE’schen Säule über¬ 
zeugt. Ein sehr geringes Maass örtlicher Wirksamkeit erhielt die Spitze 
auch, als durch sie eine Leydener Batterie von drei Quadratfuss Bele¬ 
gung, die mit sechzig 1/2'" langen Funken an der Maassflasche geladen 
worden war, mittels einer dem Knopfe der inneren Belegung genäherten 
Nähnadel entladen wurde. Dagegen der Strom zwischen positivem und 
negativem Conductor einer kräftigen Elektrisirmaschine, und die Oeff- 
nungsschläge eines BuHMKOREF’schen Inductoriums die Spitze nicht hin¬ 
reichend ozonisirten. Diese Art der örtlichen Wirksamkeit stimmt mit 
der zu erklärenden darin überein, dass auch sie sehr flüchtig ist. Nach 
einer Minute ist nur noch eine Spur davon übrig. Abwischen hebt sie 
sofort auf. 
Ich kam nun auf den Gedanken, dass vielleicht der secundäre Fleck 
überhaupt nur auf secundärer Elektrolyse beruhe, dass nämlich das an 
der neuen Anode durch den Polarisationsstrom entbundene Ozon ihn er¬ 
zeuge. Um diese Ansicht zu prüfen, wiedérholte ich die vorigen Ver¬ 
suche auf einer über dem Wasserbade zur Siedhitze erwärmten Glasplatte, 
wo kein Ozon entstehen kann. Wirklich blieb jetzt der secundäre Fleck 
aus, obschon in der Stärke des Polarisationsstromes kein deutlicher Un¬ 
terschied nachzuweisen war. Das Ausbleiben des Fleckes rührte also we¬ 
der von dem Austrocknen des Jodkaliumpapieres in der Hitze, noch davon 
her, dass mit steigender Temperatur die elektromotorische Kraft der La- 
1 Experimental Researches etc. vol. I. p. 227. Ser. VII. §. 760; — Poggen- 
dorfe’s Annalen u. s. w. 1834. Bd. XXXIII. S. 446. — Vgl. Wiedemann-, Die 
Lehre vom Galvanismus u. s. w. 2. Aufl. Braunschweig 1872. S. 500. §. 337.
        

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