Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Jodkalium-Elektrolyse und Polarisation durch den Schlag des Zitterwelses (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1861, S. 1105)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29161/4/
V 
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§. I. Einleitung. 
Allein es könnte sehr wohl sein, dass während im Verlaufe des Schlages 
die Curve der Stromstärken bezogen auf die Zeit ein- oder mehreremal 
die Abscissenaxe schnitte, sie beiderseits von dieser Axe ungleiche 
Flächenräume begrenzte, so dass ein Unterschied zu Gunsten der Ordi- 
naten stattfände, welche die vom Schwänze durch den Versuchskreis zum 
Kopfe gerichteten Stromtheile vorstellen. Da solche Beschaffenheit des 
Schlages, wobei der Zitterwels seine Beute mit Wechselströmen tetanisirte, 
nach bekannten Grundsätzen gerade die geeig- [1109] netste wäre, um 
heftige physiologische Wirkung zu üben, so musste natürlich diese Ver- 
muthung besondere Aufmerksamkeit erregen. 
Indessen gab es noch eine andere Deutung der Erscheinung. Ich 
habe schon früher bemerklich gemacht, dass, wenn man sich der Jod¬ 
kalium-Elektrolyse zur Bestimmung der Stromrichtung in Inductionskreisen 
bedient, leicht ein Fleck unter jeder Spitze beobachtet wird, auch wenn 
die sichersten Maassregeln getroffen sind, damit der Strom nur in einer Rich¬ 
tung sich bewege, und wenn von Funkenbildung nicht die Rede ist.1 Der 
Fleck unter der negativen Spitze, den man den secundären nennen kann, 
erscheint nämlich, sobald nach Aufhören des Inductionsstromes der Kreis 
noch geschlossen bleibt, wie es gewöhnlich der Fall ist; und er rührt 
unstreitig her von dem entgegengesetzten Strome der Ladungen, welche 
die in Jodkaliumlösung tauchenden Platinspitzen unter dem Einflüsse des 
rnductionsstromes angenommen haben. Dass der durch die Producte 
'■inet bestimmten Elektrolyse erzeugte secundäre Strom dieselbe Elektro¬ 
lyse in entgegengesetzter Richtung bewirke, ist nicht ohne Beispiel. 
Hr. Poggendobfe hat die besondere Tauglichkeit des platinirten Platins 
zu secundären Ketten darauf zurückgeführt, dass der Wasserstoff, den 
der secundäre Strom an der neuen Kathode entbinde, durch solches 
Platin oxydirt und auf diese Weise unschädlich gemacht werde;2 und ich 
halte den Gründen für diese Annahme die Beobachtung hinzugefügt, dass 
Erschüttern der neuen Kathode zeitweise Hebung des, secundären Stromes 
bewirke.3 
Ganz ähnlich, wie in einem Inductionskreis, ist der Vorgang bei 
dem Fisch. Unmittelbar nachdem er geschlagen, bleibt der Kreis noch 
'inige Augenblicke geschlossen, wie schnell man auch die Sättel aus 
dem Wasser ziehe, was man besonders rasch zu thun übrigens gewöhn¬ 
lich keinen Grund hat. Während dieser Zeit muss ein secundärer Strom 
in umgekehrter Richtung des Fischstromes kreisen, welcher nicht [1110] 
1 Untersuchungen u. s. w. Bd. II. Abth. I. S. 400. 
2 Annalen u. s. w. 1844. Bd. LXI. S. 594. 595. 
:i Untersuchungen u. s. w. Bd. II. Abth. I. S. 190.
        

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