Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Jodkalium-Elektrolyse und Polarisation durch den Schlag des Zitterwelses (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1861, S. 1105)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29161/14/
§. III. Polarisation der Elektroden durch den Schlag des Zitterwelses. 661 
vor Trockniss, so beobachtet man, ohne die Ueberlastung zu steigern, 
dieselbe Reihenfolge von Erscheinungen , die man bei feucht gehaltenem 
^Nerven mit wachsender Ueberlastung eintreten sieht. Allein auch von 
der Leistungsfähigkeit des Fisches scheint jenes Maass der Ueberlastung 
abzuhängen. Als ich diese Versuche im Spätherbst 1857 an den ersten 
in meine Hände gelangten Zitterwelsen, welche damals schon zu kränkeln 
anfingen, anstellte, reichte eine Ueberlastung von 50—100 gr aus, um 
den ursprünglichen Strom abzublenden. Als ich aber dieselben Versuche 
neuerlich an dem sehr grossen und kräftigen Fisch zu bestätigen suchte, 
der mir, durch die Güte meines Freundes Dr. Bence Jones in London, 
in diesem Augenblick zu Gebote steht (s. oben S. 605),1 fand sich, dass 
1 An diesem Fische zeigte sich eine sehr ausgesprochene unipolare Wirkung. 
Die an sich gut isolirende Versuchswanne, in der sich der Fisch im Wasser be¬ 
fand, stand auf drei Siegellackfüssen. Eine auf dem Boden liegende Zinnplatte 
wurde durch einen Draht mit dem Nerven eines völlig isolirten stromprüfenden 
Froschschenkels in Verbindung gesetzt. Berührte ich den Fisch mit einem trocke¬ 
nen Glasstabe, so dass er schlug, so fand keine Zucknng statt ; sie trat dagegen ein, 
wenn zugleich der Schenkel mit nassem Finger ableitend berührt wurde. Sie blieb wie¬ 
der aus, als statt dessen der Schenkel mit einer isolirten Strecke von etwa 225 cm mit 
Guttapercha umhüllten Telegraphendrahtes in Verbindung gesetzt wurde, die in etwa 
'fünf Windungen aufgerollt war. Als aber der Draht geradlinig ausgestreckt wurde, fand 
sich die Zuckung ein. Ebenso war sie vorhanden, wenn statt des Drahtes der isolirte 
Conductor einer Elektrisirmaschine als Leiter von grosser Capacität dem Schenkel 
angehängt wurde. Die unipolare Wirkung oder Seitenentladung, wie man sie nun 
nennen will, ging hier also von einem beliebigen Punkt der Wassermasse aus, 
worin der Fisch im Augenblick des Schlages bald diese, bald jene Stellung gegen¬ 
über den Zinnplatten einnahm. Natürlich fand aber die Wirkung auch und unstreitig 
noch sicherer statt, wenn der Nerv, statt mit der Zinnplatte, mit einem der Metall¬ 
sättel verbunden wurde, die ich dem Fisch zur Ableitung und Beizung zugleich auf¬ 
zusetzen pflege. Die Erscheinung ist von praktischer Wichtigkeit bei Versuchen an 
elektrischen Fischen, in welchen man sich, wie dies von jetzt ab wohl öfter Vor¬ 
kommen dürfte, des stromprüfenden Froschschenkels als Hülfsvorrichtung bedient. 
Ausserdem erregte sie mein Interesse noch aus folgendem Grunde, 
Ich hatte in meinem „Vorläufigen Abriss u. s. w.“ in Poggendokfe’s Anna¬ 
len u. s. w. 1843. Bd. LVllI S. 29. §. 74 die Möglichkeit jener Erscheinung 
theoretisch in Betracht gezogen. Hr. Matteucci nahm davom Anlass über den 
noch immer „et surtout dans certains ouvrages allemands“ grassirenden Irrthum 
abzusprechen, als könne man von den Zitterfischen Zuckungen ohne Kettenverband 
erhalten. Zugleich theilte er eine Versuchsreihe am Zitterrochen mit, welche seiner 
Meinung nach diesen Irrthum widerlegen sollte. Er legte nämlich dem an die Luft 
gebrachten und isolirten Thiere die Nerven isolirter stromprüfender Schenkel in ge- 
nnger Ausdehnung an, und sah diese in Buhe bleiben, wenn der Fisch schlug 
(Comptes rendus etc. 1845. t. XXI. p. 515; — Tlnstitut. No. 610. p. 319; — 
Archives de l’Électricité. 1845. t. V. p. 491). Dies befremdet nun wohl insofern, 
als man annehmen muss , die dem Thier aufliegende Nervenstrecke sei stets schon
        

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