Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die negative Schwankung des Muskelstromes bei der Zusammenziehung. Erste Abtheilung (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1873, S. 517)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29157/5/
406 XXY. Ueber die negative Schwankung des Muskelstromes n. s. w. 
gelegt, wo die Oberschenkeläste abgehen. Die nicht zu Gracilis 
Semitendinosus und Semimembranosus gehenden Zweige werden durch' 
schnitten. 
3. Das knorpelige Hufeisen, welches den Semimembranosus an den 
Condylus tibiae heftet, wird abgelöst, und der Semimembranosus nach 
hinten und zur Seite geschlagen. Die Nervenzweige zu ihm, dem Semi¬ 
tendinosus und Gracilis liegen nun, [522] durch das Pigment der mit, 
ihnen verlaufenden Blutgefässe kenntlich gemacht, klar vor Augen. Der 
Semimembranosus wird von unten her bis zum Becken vorsichtig vom 
Gracilis getrennt, sein Nerv abgeschnitten. 
4. Der Ischiadicus wird in passender Entfernung unter dem Ur¬ 
sprünge der Zweige für Gracilis und Semitendinosus durchschnitten, sein 
Stamm in Verbindung mit jenen Aesten bis zum nah benachbarten 
Hilus beider Muskeln vollends freigemacht, auf dem Hilus zu einem 
Päckchen zusammengefaltet, und so der Nerv in Sicherheit gebracht. 
5. Nun bringt man das spitze Scheerenblatt unter die Sehne des 
Gracilis und Semitendinosus, das stumpfe unter den Oberschenkel, und 
durchschneidet letzteren dicht über dem Knie; der Unterschenkel dient 
als Handhabe, während man den Gracilis aus seinen übrigen Verbin¬ 
dungen, besonders mit den Mm. adductor magnus und longus, bis zum 
Becken löst. 
6. Man durchschneidet die Sehnen, durch die der Semitendinosus an 
die Tibia, und die beiden Sehnen, durch die er an das Becken geheftet 
wird. Er löst sich dann leicht1 vom Gracilis, den man zwischen Becken 
und Unterschenkel sanft anspannt, und es hat keine Schwierigkeit mehr, 
seinen Nerven von dem des Gracilis zu unterscheiden und ohne Gefahr 
für letzteren zu beseitigen. 
7. Es bleibt übrig, die Knochenstücke zuzuschneiden und möglichst 
von Muskelstümpfen zu reinigen, was namentlich am Becken recht zeit¬ 
raubend ist. 
Die ganze Präparation kann ich, trotz meiner Uebung darin, nicht 
leicht schneller als in einer Viertelstunde, vom Tode des Frosches an, 
beenden, während Hr. Kühne nach seiner Angabe es dahin gebrac 
hatte, den Sartorius mit seinem Nerven in weniger als zwei Minuten z“ 
präpariren.1 
Es wird im Folgenden nützlich sein, zwischen der Schwankung 
Stromes, wie sie im Bussolkreis erscheint, und der Schwankung 
elektromotorischen Kraft selber leicht und kurz zu unterscheiden. B 
soll deshalb, wo irgend ein Zweifel [523] obwalten könnte, Stro 
1 Archiv für Anatomie u. s. w. 1859. S. 319.
        

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