Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die negative Schwankung des Muskelstromes bei der Zusammenziehung. Erste Abtheilung (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1873, S. 517)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29157/49/
450 XXV. Ueber die negative Schwankung des Muskelstromes u. s. w. 
MEissNEit’schen Lehre, wonach die secundäre Zuckung Folge der positi¬ 
ven Schwankung sein soll; denn da, nach ihm, diese Schwankung dem 
Stadium der wachsenden Energie angehört, nach Hm. Helmholtz aber 
der Beiz für die secundäre Zuckung dem Stadium der latenten Beizung, 
so konnte dieser Beiz nicht jene Schwankung sein. Wir werden aber 
sehen, dass in diesem Punkte Hm. Holmgren’s Ergehniss einer Berich¬ 
tigung bedurfte. 
Hr. Holmgren [hat über das Wesen der positiven Schwankung 
einige theoretische Vermuthungen geäussert, die ich nicht mit Still¬ 
schweigen übergehen kann. 
Zur Erklärung der positiven, und auch der negativen Schwankung 
hat er nämlich zunächst jan eine Elektricitätsentwickelung in den Mus¬ 
keln durch gegenseitige Beibung der Bündel gedacht. Verschiedene Ab¬ 
schnitte des Muskels sollten in Folge verschieden starker Innervation ver¬ 
schieden kräftig sich zusammenziehen und dadurch sollten die bald 
positiven, bald negativen Schwankungen zu Stande kommen. Aber die 
Bündel reiben sich nicht aneinander, denn sie sind miteinander ver¬ 
wachsen. Bei Beibung zweier gleichartigen Flächen ent- [578] steht 
überhaupt keine Elektricität. Entstände wirklich welche bei Beibung 
zweier Muskelbündel, so müsste doch ein Bündel positiv, das andere 
negativ werden. Ohne die willkürlichsten Annahmen büebe unverständ¬ 
lich, wie dergestalt ein Strom durch den Bussolkreis im einen oder 
anderen Sinn entstehe. Die Stromschwankungen aber, die Hr. Holmgben 
sah, als er den in der kleinen Streckvorrichtung ausgespannten Gastro- 
knemius mit einem anderen Muskel, oder mit Elfenbein, Siegellack, Glas, 
Kautschuk u. d. m. strich, sind auf Bechnung der Glättung und Run- 
zelung des Achillesspiegels1 zu bringen. 
Nachdem Hr. Holmgren die von mir beschriebenen Neigungsströme 
durch Dehnung2 3 kennen gelernt hatte, kam er auf den Gedanken, dass 
die Stromschwankungen bei der Zusammenziehung durch Veränderung 
des Winkels zu erklären sein möchten, unter dem die Bündel an den 
Achilles- und Kniespiegel stossen. Ich hatte dieselbe Vermuthung bereits 
in Bezug auf die Stromschwankungen durch Dehnung geäussert,8 und a® 
im Stillen natürlich auch für die positive Schwankung gehegt, obwo 
ich mir sagte, dass diese Vermuthung kaum damit stimme, dass au 
am gespannten Muskel positive Schwankung erscheine. Dass bei ^ 
gegebener Zusammenziehung die Verminderung der Neigung der B 
1 S. oben S. 306 ff. 
2 S. oben S. 183 ff. 
3 S. oben S. 306.
        

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