Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Widerlegung der von Hrn. Ludimar Hermann kürzlich veröffentlichten Theorie der elektromotorischen Erscheinungen der Muskeln und Nerven (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1867, S. 597)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29155/41/
§. XIII. Schlussbemerkungen. 359 
Dies nämlich ist der Punkt, um den es sich hier wesentlich handelt. 
Ich habe zwar vorher die Molecularhypothese gegen die wider sie gerich¬ 
teten Angriffe vertheidigt, da ich weder Lust habe, sie für schlechter als 
nöthig ausgehen, noch Hm. Helmholtz und mir einen Denkfehler auf¬ 
bürden zu lassen, den nicht wir begingen. Auch suche ich jede neue 
elektromotorische Erscheinung am Muskel und Nerven mit jener Hypo¬ 
these in Einklang zu bringen, und man wird es natürlich finden, dass 
ich einigen Werth darauf legte, dies in einem so ausgezeichneten Ealle, 
wie dem der Neigungsströme, leicht gelingen zu sehen. Ich kenne keine 
andere Yorstellungsweise, die von den hier in Betracht kommenden Er¬ 
scheinungen soviel erklärte, und zugleich für die allgemeine Physik der 
Muskeln und Nerven soviel verspräche; denn kennte ich eine solche, so 
wäre ich der erste, die Molecularhypothese fallen zu lassen. Bei alle¬ 
dem bin ich weit davon entfernt, das Dasein der elektromotorischen 
Molekeln für so erwiesen zu halten, wie es [646] in manchen Lehr¬ 
büchern hingestellt wird. Es ist hier nicht der Ort, meine Bedenken 
gegen die Molecularhypothese darzulegen, doch könnte ich wohl auf Hrn. 
Hermann’s Angriff seine eigenen Worte anwenden: „Charakteristisch ist 
„es, dass gerade diese Punkte von den bisherigen Angreifern der Theorie 
„übersehen, dafür aber Einwände erhoben worden sind, deren siegreiche 
„Widerlegung die Theorie nur neu befestigen konnte.“1 Ich wünsche 
jetzt nur bemerklich zu machen, dass, wenn oben stets die Molecular¬ 
hypothese der des Hrn. Hermann als die sonst einzig denkbare entgegen¬ 
gesetzt wurde, dies nicht meine Auffassung war, sondern die seinige. 
Die Molecularhypothese könnte ganz oder zum Theil falsch sein, es könnte 
z- D. Hrn. Hermann’s Yermuthung gemäss,2 der meinigen zuwider, die 
mtrapolare Strecke dem erregenden Strom entgegen elektromotorisch 
wirken, so wäre für seine Hypothese dadurch noch nichts gewonnen. 
Denn was ich schon für besser erwiesen halte, als die Molecular¬ 
hypothese, für so gewiss, dass ich dem Beweise des Gegentheils gegenüber 
däs Gefühl nicht abläugnen könnte, in einer Täuschung befangen 
gewesen zu sein, das ist die Präexistehz des elektrischen Gegensatzes in 
en Muskeln und Nerven. Hieran ist aber mein Glaube durch den 
gegenwärtigen Angriff, wie gesagt, eher befestigt als erschüttert, und ins- 
^ sondere die oben S. 341 angestellte Betrachtung über die Querschnitts- 
me würde mir auch dann noch überzeugend erscheinen, wenn sich 
Hermann’s Hoffnung erfüüte, gerinnendes Muskelplasma gegen noch 
81ges, oder schneller erstarrenden aufgethauten Muskelschnee gegen 
' A- a- O. 8. 66. 
A- a- 0. s. 41.
        

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