Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Widerlegung der von Hrn. Ludimar Hermann kürzlich veröffentlichten Theorie der elektromotorischen Erscheinungen der Muskeln und Nerven (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1867, S. 597)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29155/32/
350 XXIII. Widerlegung von Hrn. Hermann’s elektrophysiologischen Theorien 
der Musiei beim Auflegen auf das Thonschild, statt auf den Muskel B 
nach Entfernung des letzteren, wieder stärker wirke, ist schwer auszu' 
machen, weil die Kraft desselben Muskels schon beim wiederholten Auf 
legen auf möglichst gleiche Art um grosse Bruchtheile schwankt.1 
Ich habe beim öfteren Wiederholen des HBBMANN’schen Versuches 
nach einer halben Stunde eine Abnahme der Kraft um ein Viertel bis 
ein Drittel beobachtet, was wohl etwas mehr sein mag, als gewöhnlich,» 
aber doch nicht die Behauptung einer ausserordentlichen Abnahme recht¬ 
fertigt. Nichts ist leich- [635] ter, als den Grund für das etwas schnel¬ 
lere Sinken der Kraft unter diesen Umständen anzugeben. 
Die erste Thatsache, die mich auf die Säurung des absterbenden 
Querschnittes führte, war bekanntlich, dass ein künstlicher Querschnitt 
die parelektronomische Schicht eines mit dem Achillesspiegel dagegen 
gelehnten Gastroknemius angreift.3 Dasselbe geschieht im Wesentlichen 
hier. Der sich säuernde Querschnitt des Muskels A ätzt den Längsschnitt 
des Muskels B an und stellt darunter schrägen künstlichen Querschnitt 
her. Dieser verhält sich schwach negativ gegen den Längsschnitt auf 
der anderen Seite von B. So entsteht quer durch B ein Strom in der 
umgekehrten Richtung von dem Strom von A, welcher sich von diesem 
abzieht und A schwächer erscheinen lässt. 
Dass dies der Fall ist, zeigt sich, wenn man den Längsschnitt von 
B, zuerst ehe ihm der Querschnitt von A angelegt wird, und dann nach¬ 
dem er ihm eine Zeitlang anlag, an der gleichen Stelle mit Thon ab¬ 
leitet; stets hat sich in Folge der Berührung ein mehr oder minder 
starker Strom in dem angegebenen Sinn entwickelt. Die Berührungs¬ 
stelle reagirt sauer. Dieselbe Wirkung, wie durch den Querschnitt des 
frischen Muskels A, nur noch stärker, erfolgt, wenn man dem Längs¬ 
schnitt von B ein Stück todten oder wärmestarren Froschmuskels oder 
sauren Rindfleisches anlegt. Leitet man das Stück von Zeit zu Zed 
mittels eines jedesmal erneuerten4 Thonzapfens ab, so kann man die En^ 
stehung des Stromes in der bezeichneten Richtung verfolgen. Hebt man 
den Querschnitt von A ab von B, setzt ihn der Luft aus und bringt 
sorgfältig wieder in seine Lage gegen B, so findet man so £enafl, . 
möglich die frühere Kraft wieder, an der die Luft also nichts gea® 
1 S. oben S. 157., 194. 195. 243. 
2 S. oben S. 230. 
3 S. oben S. 7. — De Fibrae muscularis Eeactione etc. p. 8. + 
v Die Kette: Tlion-| saures Fleisch 4- saures Fleisch | frischer Längsisc 
frischer Längsschnitt ] Thon, ist unwirksam. Sie kann aber wirksam wer ® 
das Eindringen der Säure in den Thon, daher die Vorschrift, den Thonz&P 
mal zu erneuern. S. oben S. 213. 281. 
'
        

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