Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Widerlegung der von Hrn. Ludimar Hermann kürzlich veröffentlichten Theorie der elektromotorischen Erscheinungen der Muskeln und Nerven (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1867, S. 597)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29155/27/
§. X. Hrn. Hermann’s Theorie der Elektrotonusströme wird widerlegt. 345 
Duell nicht lohnen, und es ist guter Grund vorhanden, zu zweifeln, dass 
dies je der Fall sein werde. So lässt sich der Sturz einer auf die Spitze 
gestellten Pyramide dadurch aufhalten, dass ein auf die Basis gesetztes 
gewicht für einen Augenblick den Schwerpunkt wieder über den Unter- 
stützungspunkt verlegt, aber das Gleichgewicht wird so nur noch labiler, 
und um so härter der schliessliche Fall. 
Hr. Hermann verlässt hier die elektromotorischen Erscheinungen 
der Muskeln und Nerven, verfolgt jedoch, wie schon Eingangs gesagt 
wurde, noch lange (wir sind erst bei der Hälfte der Schrift angelangt) 
ähnliche Ideen durch das ganze Gebiet der allgemeinen Physik der Mus¬ 
keln und Nerven, indem er sich [629] eines zufälligen Zusammentreffens 
seiner theoretischen Forderungen mit den Thatsachen freut, über ent¬ 
gegenstehende Schwierigkeiten aber sich leicht hinwegsetzt. Es ist meine 
Absicht nicht, seinen Constructionen weiter kritisch nachzugehen, doch 
kann ich nicht verschweigen, dass mir jede Theorie der Muskel- und 
Xerventhätigkeit todtgeboren erscheint, die von der Bedeutung weder der 
Fleischprismen, noch des Axencylinders, noch der Nervenendplatte etwas 
zu sagen weiss. Dagegen ist es jetzt an der Zeit, einigen Angriffen zu 
begegnen, die Hr. Hermann gegen die von mir aufgestellte sogenannte 
Molecularhypothese richtet. 
§. XL Hrn. Hermann’s theoretische Einwände gegen die 
Molecularhypothese werden widerlegt. 
Hr. Hermann giebt im Allgemeinen zu, dass die Molecularhypothese 
^ch 'mit dem Thatbestande sehr vollkommen decke. Er wendet indess 
®oegen theoretisch ein, dass danach „der Muskelstrom wesentlich die 
” lrkung des letzten, am Querschnitt liegenden Molecüls ist. Hierin 
e'ne ^ewasse Schwierigkeit, da wo* zur Erklärung von messbaren 
” lr lln£en in der Physik wirksame Molecüle angenommen werden? 
’’ an stets jedem einzelnen Molecül eine unmessbar kleine Wirkung zu- 
•>ReC ]j'e^Jeu gewohnt ist, und die messbare Gesammtwirkung als das 
at einer Reihe von-unmessbar vielen, sämmtlich in gleichem Sinne 
••dur rdeü 1^ec^en betrachtet. Diese Schwierigkeit könnte jedoch da- 
'•bar\ 1 lu‘seit%t werden, dass man sich die Molecüle nicht als unmess- 
•’Han eiUe’ SOn<^ern a^s verhältnissmässig grosse Körper vorstellt, denen 
61116 so bedeutende Wirkung, wie der Muskelstrom es ist, allenfalls 
“Treiben kann.“ 1 
1 A- a. 0. s.
        

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