Volltext: Ueber die elektromotorische Kraft der Nerven und Muskeln (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1867, S. 417) (2)

§ XI. Zur physikalischen Theorie der elektromotorischen Molekeln. 295 
hren Ort und ihre Stellung mehr oder minder stabilen Gleichgewichtes 
anweisen. 
Bei einer solchen Lage wäre es massig, auch noch die Rank k’sehen 
Thatsachen in den Kreis der Betrachtung zu ziehen, obschon dies nicht 
<rera.de als das Schwierigste erscheint. Auch die von Hrn. H. Munk schon 
einmal erörterte Frage, ob die Muskelprismen (Bowman’s sarcous ele¬ 
ments), beziehlich die BnüCKE’schen Disdiaklasten, mit den elektromoto¬ 
rischen Molekeln einerlei seien,1 bleibt besser vorläufig unerörtert.2 
Das Ergebniss, zu. dem wir gelangt sind, ist also schliesslich, dass 
wir mit unseren bisherigen Kenntnissen nicht ausreichen, um uns 
von den elektromotorischen Molekeln als Stromerregern eine einiger- 
maassen befriedigende Vorstellung zu machen. Es ist aber nicht so 
paradox, als es klingt, wenn behauptet wird, dass gerade in dieser Ein¬ 
sicht ein erster Schritt zur physikalischen Theorie jener hypothetischen 
Gebilde liege. 
§. XII. lieber Ströme in Kreisen nur aus flüssigen 
Leitern. 
In allen ächten Flüssigkeitsketten, wo die metallischen Multiplicator- 
enden in gleichartige Flüssigkeiten tauchen, spielt der Multiplicatordraht 
nur die Rolle eines unwirksamen leitenden Bogens, und muss er, unbe¬ 
schadet der Stromkraft, durch einen Flüssigkeitsbogen zu ersetzen sein. 
Von diesem Standpunkt aus haben die thierisch-elektrischen Ströme längst 
wenigstens das eine Räthselhafte eingebüsst, was ihnen in Volta’s Augen 
anhaftete, nämlich Ströme in Kreisen nur aus Leitern zweiter Klasse zu 
sein. Wenn Volta ihrethalben diese Klasse in zwei Unterabtheilungen 
spaltete, deren eine die wirklich flüssigen Leiter, die andere die einsau¬ 
gungsfähigen organischen Körper enthielt,3 so wissen wir jetzt durch 
Hm. Wild, dass, ganz ab- [495] gesehen von der Gegenwart solcher 
Körper, deren Einfluss erst zu beweisen wäre, die Elektrolyte in ver¬ 
schiedene Reihen zerfallen, deren Glieder eine sogenannte VoLTA’sche 
Spannungsreihe ausmachen, während die Glieder zweier Reihen keinem 
solchen Gesetze gehorchen. Inzwischen sind die Versuche über Flüssigkeits¬ 
ketten fast stets mit Vertheilung der einen Flüssigkeit in zwei Massen, und 
1 Nachrichten von der G. A. Universität u. s. w. zu Göttingen. 1858. S. 1. 
2 [Ebenso wenig mag ich schon die Vermuthungen zur Sprache bringen, auf 
friche man gegenüber den neueren Ermittelungen über den Bau der Muskelfaser und 
tron Veränderung bei der Thätigkeit jetzt hier fast unwillkürlich geräth.] 
3 Vergl. Untersuchungen u. s. w. Bd. I. S. 92.
	        
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