Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die elektromotorische Kraft der Nerven und Muskeln (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1867, S. 417)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29153/18/
§. III. Von der Grösse der elektromotorischen Kraft der Muskeln. 249 
Thieren nicht ganz fehlt. Ausser dem Sartorius dès Hundes, auf den 
sChon Hr. Kühne aufmerksam gemacht hat,1 besitzen wir einen solchen, 
recht gut zugänglichen, auch noch an dem M. stemo-cleido-mastoïdeus 
(jes Kaninchens. Bei diesen Versuchen präparirte ein Gehülfe mög- 
[438] liehst rasch die Muskeln, während ich die Messvorrichtung in Be¬ 
reitschaft hielt und handhabte. So oft ich nun aber auch die regel¬ 
mässigen Kaninchenmuskeln so warm und zuckend wie möglich auf die 
Thonschilder meiner Vorrichtung brachte, nie gelang es mir bisher, auch 
nur eine gleich grosse elektromotorische Kraft zu beobachten, wie an gut 
(renährten und richtig behandelten Froschmuskeln, sondern die höchste 
Kraft, die ich gelegentlich erhielt, betrug nur 0-049. 
Koch weniger vortheilhaft erwies es sich, von den beiden Thonspitzen 
der unpolarisirbaren Zuleitungsröhren die eine dem Längsschnitt, die 
andere dem Querschnitt der am lebenden Kaninchen entblössten und 
durch eine klaffende Querwunde getrennten Muskelmasse [des Oberschen¬ 
kels zu nähern. Die Wirkungen erreichten nicht einmal die obige Grösse. 
Ich bin weit entfernt, hieraus schliessen zu wollen, dass die elektro¬ 
motorische Kraft der lebenden warmblütigen Muskeln kleiner ist als die 
der kaltblütigen. Erwägt man das ausserordentlich rasche Absterben der 
ersteren, welches bekanntlich nicht erlaubt, sie ausserhalb des lebenden 
Körpers vom Nerven aus erfolgreich zu - tetanisiren, geschweige ihre 
mechanischen Leistungen gleich denen der Froschmuskeln zu studiren, 
so erscheint unser Ergebniss ganz erklärlich, auch unter der Voraus¬ 
setzung einer ursprünglich höheren elektromotorischen Kraft der Kanin- 
chenmuskeln. Unstreitig würde man auch die specitische mechanische 
Kraft warmblütiger Muskeln unter denselben Umständen kleiner finden, 
als die der Froschmuskeln. Durch den Versuch darthun aber lässt sich 
die elektromotorische Ueberlegenheit der warmblütigen Muskeln nicht. 
Hm. MatteuccTs, Hm. Cima’s und Hrn. Eegnauld’s Erfolg erklärt 
sich daraus, dass sie die Froschmuskeln nicht richtig behandelten; und 
er absolut höhere Werth, den Hr. Begnauld für die Kraft der Kanin- 
lieh'1111118^11 zu unserer Bestimmung fand, beruht vermuth- 
ten \Ulf ^6r -^Wirkung der Sehnenspiegel an den von ihm angewende- 
uskeln, [439] deren Parelektronomie zu zerstören schon die Berüh- 
ng mit dem Finger hinreicht. 
lühJ—he an Vogelmuskéln konnten sich natürlich hiernach nicht 
IL____^°n grossem Interesse wäre es, die elektromotorische Kraft von 
re?«lmäs^rclliv u. s. w. 1859. S. 604. — [Hr. Krause empfiehlt als 
platten a 1*’6n Muskel den Tensor fasciae cruris der Katze (Die motorischen End- 
2 tj* V-ergestreiften Muskelfasern. Hannover 1869. S. 2)]. 
Versuchungen u. s. w. Bd. IL Abth. IL S. 341.
        

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