Volltext: Ueber die Erscheinungsweise des Muskel- und Nervenstromes bei Anwendung der neuen Methoden zu deren Ableitung (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1867, S. 257) (2)

230 XX. Erscheinungsweise des Muskel- und Nervenstromes u. s. w. 
suchung des zeitlichen Verlaufes der tliierisch-elektrischen Ströme einzu¬ 
gehen, wie die jetzigen Hülfsmittel sie gestatten, mir jedoch der Mangel 
an zusammenhängender Arbeitszeit, welche dazu das erste Erforderniss. 
ist, sie untersagen würde. Ich will diesen Punkt nur so weit berühren 
als nöthig, um das Bild der tliierisch-elektrischen Ströme bei der jetzigen 
Versuchsart zu vervollständigen. . In diesem Sinne bemerke ich, dass 
Hm. Regnauld’s Angaben eine übertriebene Vorstellung von der Ver¬ 
gänglichkeit des Muskelstromes erwecken, insofern bei ihm die Kraft un¬ 
gleich schneller sank, als dies meinen Erfahrungen nach der Pall zu sein 
pflegt. Obschon nämhch nicht [309] in der Lage, eine vollständige Ver¬ 
suchsreihe über den zeitlichen Verlauf der Muskelstromkraft mitzutheilen, 
besitze ich doch den Anfang einer solchen in den oben S. 197.198 erwähnten 
Messungen an Sartorien und Graciles, wobei die Kraft und die Strom¬ 
stärke eine Stunde lang alle fünf Minuten abgelesen wurden. Es ergiebt 
sich daraus, dass bei meiner Art der Behandlung die Kraft eines ein¬ 
zelnen querdurch ichnittenen Oberschenkelmuskels vom Frosch im Mittel 
aus 6 Beobachtungen binnen 30 Minuten erst etwa auf 0-75, binnen 
60 Minuten auf 0-59 ihres ursprünglichen Werthes sinkt. Noch nach 
120 Minuten betrug im Mittel aus 2 Beobachtungen am Gracilis die 
Kraft 0 • 38 der ursprünglichen, d. h. sie war verhältnissmässig fast noch 
so gross wie Hr. Regnauld sie nach 31 Minuten fand. 
Heber den Grund dieses Unterschiedes weiss ich nichts Bestimmtes zu 
sagen. Meine Versuche sind im December, an Winterfröschen und im ge¬ 
heizten Zimmer angestellt; Hr. Regnauld sagt nichts über die zur Zeit der 
seinigen herrschende Temperatur. Aus seinen Mittheilungen erhellt auch nicht, 
ob er die Muskeln gegen Trockniss, und ob und wie er sie gegen Be¬ 
rührung der Zinklösung geschützt habe. Dass die Erhöhung der Kraft 
durch Säurung des Thonschildes am Querschnitt (s. obenS. 212) in meinen 
Versuchen eine grössere Beständigkeit vorgespiegelt habe, ist kaum denk¬ 
bar. Wohl aber mögen die in der Mitte ihrer Länge querdurchschnitte¬ 
nen Oberschenkelmuskeln des von Hrn. Regnauld angewendeten P1*' 
parates ihrer Kürze halber schneller abgestorben sein. Was aber 
unstreitig die Hauptsache war, es entwickelte sich in dem Sehnenspin™ 
des Triceps femoris eine elektromotorische Gegenkraft durch Zerstörung 
der parelektronomischen Schicht; wie man dies sieht, wenn man 
untere Hälfte eines Gastroknemius einerseits mit künstlichem Querscnm 
andererseits mit dem Achillesspiegel auf nackte oder mit Eiweisshau 
bekleidete Bäusche bringt.1 
Beobachtet man, bei Gegenwart eines Muskels im Kreise, 
Strom* 
'f 
1 S. oben S. 147.
	        
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