Volltext: Ueber die Erscheinungsweise des Muskel- und Nervenstromes bei Anwendung der neuen Methoden zu deren Ableitung (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1867, S. 257) (2)

§. IX. Bedeutung des postmortalen Wachsens der Muskelstromkraft. 227 
lisch oder mehr sauer reagirt, so dass beim Ableiten des Stromes vom 
künstlichen Querschnitt zwischen diesem und dem Thon eine den Muskel- 
stfüin unterstützende Flüssigkeitskette gestärkt oder eine ihm entgegen- 
wirkende Kette geschwächt wird; wobei der Längsschnitt in Berührung 
öiit dem Thon ein unverändertes Kettenglied abgiebt. Die Summe der 
Wirkungen der Flüssigkeitskette und der eigentlichen Muskelstromkraft 
wächst so bis zu einem Maximum, von dem sie wieder herabsinkt, weil 
die eigentliche Muskelstromkraft zu sinken fort fährt, die Kraft der Kette 
aber eine beständige Grösse erreicht, oder deren Veränderung verhältniss- 
miissig langsamer vor sich geht. An den von der Haut entblössten 
Muskeln erfolgt statt des Wachsens sofortiges Sinken der Gesammtkraft, 
weil das Sinken der eigentlichen Muskelkraft zu rasch geschieht. 
Mit dieser Vorstellung würde es stimmen, dass bei Ableitung des 
Stromes vom natürlichen Querschnitt (am Gastroknemius) die postmortale 
Erhöhung der Kraft vermisst wird. Dass die Aortenunterbindung in 
unseren Versuchen oft nicht so wirkte, wie die gewöhnliche Zurichtung 
und die Massenligatur, erklärt sich vielleicht so, dass bei dem erhaltenen 
Zusammenhänge der Muskeln mit dem Centralnervensystem durch die 
Nerven die Muskeln sich stark und viel zusammenzogen, so dass die 
eigentliche Muskelstromkraft schneller als sonst sank. Dagegen ist es 
mir allerdings nicht geglückt, einen Unterschied nachzuweisen zwischen 
der Eeaction von Muskeln, die unmittelbar nach der gewöhnÜchen Zu¬ 
richtung ausgeschnitten wurden, und der von Muskeln der anderen Seite, 
welche eine Viertelstunde länger in der Haut verweilt hatten.- Doch hegt 
die Rechtfertigung nahe, dass die elektromotorische Wirkung immer noch 
ein zarteres Reagens abgebe, als das empfindlichste Lakmuspapier oder die 
besten LrEBBEiciTschen Täfelchen. 
Das Ausbleiben der postmortalen Erhöhung der Muskelstromkraft, 
|'le sie auch zu Stande komme, sobald die Muskeln von der Haut ent- 
H'sst sind, ist an und für sich von Bedeutung. Dass die Entfernung 
je‘ -^uskeln aus ihrer natürlichen Umgebung in dem Maasse verderb- 
^. auf ihr elektromotorisches [306] Vermögen wirke, ist neu, aber zu- 
r. eich in vollkommenem Einklänge mit den oben S. 201 bereits erwähn- 
Ermittelungen des Hrn. Hermann über die Oberflächenzehrung der 
s ein. Damit stimmt noch insbesondere, dass es vorzüglich die dün- 
tieu Muskeln sind, durch welche an enthäuteten Präparaten die zweite 
unterliegt (s. oben S. 208). Unsere Theorie der Ströme am Längs¬ 
tes pm ^uerschuitt, ihres sichtbaren Wachsens im aufliegenden Muskel, 
-'tiisk lS6tZeS der SPannweiten’ der grösseren Kraft längerer und dickerer 
liio-e 6 eidia^ durch diese Thatsachen eine erfahrungsmässige Grund¬ 
es laden diese sodann zu grösserer Vorsicht ein, als sie bis jetzt 
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