Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Erscheinungsweise des Muskel- und Nervenstromes bei Anwendung der neuen Methoden zu deren Ableitung (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1867, S. 257)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29152/16/
§. VI. Scheinbare Kraftzunahme aufliegender Muskeln. 
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auf alle Fälle nutzlos, zu unterbrechen; denn das Steigen der Kraft 
un , auc^ unter Umständen statt, wo zu keiner irgend merklichen 
“n eraturänderung Anlass ist, wie in dem Falle, wo die zugerichteten 
( kln eine Zeit lang im Laboratorium in einer feuchten Kammer 
ben der die Zuleitungsgefässe enthaltenden Kammer verweilt haben. 
Ebensowenig ist sodann zu denken an das Verschwinden einer Nach¬ 
wirkung der letzten während des Lebens stattgehabten Zuckungen.1 
Denn die Erscheinung stellt sich auch an den Muskeln von Thieren ein, 
welche nach dem Tode längere Zeit, 24 Stunden und mehr, ruhig liegen 
bleiben; ja sie tritt sogar unter diesen Umständen vorzüglich stark auf. 
Selbst an einem mit Curara vergifteten Frosche wurde 24 Stunden nach 
dem Tode gelegentlich das Steigen beobachtet. 
Auch durch das Verschwinden einer negativen Polarisation könnte 
sehr klein ist, wie aus den Versuchen Küchenmeisters über die Temperatur im 
Inneren grösserer Stücke Bratens und Kochfleisches erhellt. Das Benetzen des auf¬ 
liegenden Muskels mit 35° warmem Mandelöl blieb ganz wirkungslos. Als ich 
einen heissen Wasserdampfstrahl gegen den Muskel richtete, erhielt ich bald Zu-, 
bald Abnahme der Kraft. Besser war der Erfolg, als ich dem Muskel einen glühen¬ 
den Bolzen näherte. Ich erhielt dabei stets eine Erhöhung der Kraft um einen 
kleinen Bruchtheil, so von 349-5 auf 358-3c?r; nach Entfernung des Bolzens sank 
die Kraft sofort wieder (auf 344-0), liess sich aber durch Annäherung des Bolzens 
noch mehrmals in die Höhe treiben. Dies scheint zugleich zu beweisen, dass die 
Erhöhung der Kraft nicht auf Trockniss des Muskelumfanges beruhte, wodurch eine 
Nebenschliessung geschwächt, oder, wegen der Schrumpfung, der Umfang des Quer¬ 
schnittes vom Thonschild abgelöst und so die mittlere Negativität des Querschnittes 
erhöht würde. Auch gelang es nicht, Erhöhung der Kraft dadurch zu erzielen, dass 
ich dicht unter dem auf liegenden Muskel ein Gefäss mit Schwefelsäure anbrachte, 
obschon ein neben dem Muskel isolirt auf liegender Nerv den zugehörigen Gastro- 
kneming tetanisirte. Es scheint danach in der That, als ob die Temperaturerhöhung 
®»en Zuwachs der Kraft bedinge, doch ist nicht unbedenklich, dass bei diesem 
^“hren die Temperatur nicht im ganzen Muskel und an beiden Berührungsstellen 
® den Thonschildem gleichmässig erhöht wird, so dass die Möglichkeit einer 
J othermowirkung nicht ausgeschlossen ist. Dass die Strahlung des Bolzens den 
cl bis zu einer gewissen Tiefe durchdringt, unterliegt keinem Zweifel, denn ein 
Kilometer, dessen Kugel ich mit den Bauchmuskeln eines Frosches umwickelt 
konnte beim Annähem des Bolzens von 12 auf 27° C. Unmittelbar darauf 
jg . . lcb diese Muskeln mittels des Zinkplatinbogens zucken lassen. Merkwürdig 
jedenfalls, 
K’tokeln 
wie verschieden hiernach beim Bestrahlen durch den Bolzen sich 
dnbei -l, Nerven verhalten. Von den letzteren zeigte ich bekanntlich, dass sie 
(Unters k vorübergehend ganz einbüssen, ja dass ihr Strom sich umkehrt. 
""Ziehungen u. s. w. Bd. H. Abth. I. S. 550.) 
®d* D Nachwirkung des Tetanus vergl. meine Untersuchungen u. s. w. 
U. S. 151. — [S. auch unten Abh. XXV. XXVI. XXVH.]
        

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