Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Erscheinungsweise des Muskel- und Nervenstromes bei Anwendung der neuen Methoden zu deren Ableitung (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1867, S. 257)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29152/15/
202 XX. Erscheinungsweise des Muskel- und Nervenstromes u. s. w. 
peraturerhöhung die Ursache des Steigens sei. Dem würde nicht wider¬ 
sprechen,, dass das Steigen sich oft als eine nur örtliche Erscheinung 
darstellt, insofern man es nur an dem zweitaufgelegten Ende des Mus¬ 
kels wahmimmt. Denn man kann sich denken, der zeitliche Verlauf 
der Kraft sei das Ergehniss zweier entgegengesetzter Wirkungen, deren 
eine das zeitweise Steigen, die andere das Sinken nach der Zurichtung 
bedinge. An Nerven und an dünnen Muskeln, wie dem Sartorius, Cuta- 
neus, und so auch am dünneren Ende des Semimembranosus, an künst¬ 
lichen Muskelrhomben habe das Sinken regelmässig die Oberhand; aus 
unbekanntem Grunde auch meist am unteren Ende des Gracilis; minder 
oft am oberen Ende dieses Muskels [und des Semimembranosus. Bei 
dieser Vorstellung kann man also dem Steigen der Kraft, trotz dessen 
scheinbarer Öertlichkeit, eine überall im Muskel oder Nerven wirksame 
oder allgemeine Ursache, gleich der Temperaturerhöhung, unterlegen; 
indem man die Öertlichkeit vielmehr der entgegenwirkenden Ursache zu¬ 
schreibt, die das gleichzeitige Sinken der Kraft bedingt. 
Allein erstens ist es noch gar nicht gewiss, dass eine Temperatur¬ 
erhöhung die Kraft der Eroschmuskeln erhöhe. Nach Hrn. Matt:kt;cci 
und Hrn. Cima sollen die Muskeln von Fröschen, welche in niederer 
Temperatur verweilten, einen schwä- [275] cheren Strom liefern; der 
Strom soll sich heben, wenn man die Frösche wieder erwärme.1 Ich 
lasse es dahingestellt sein, ob diese schwer tadelfrei anzustellendm Beob¬ 
achtungen richtig seien. Aber sie könnten es in vollem Maæse sein, 
ohne uns hier der Entscheidung näher zu bringen: denn es konnte die 
Verlangsamung des Kreislaufes und Hemmung des Stoffwechsels, wie sie 
bei wechselwarmen Thieren die Erkältung begleitet, die Schwäciung des 
Gegensatzes von Längs- und Querschnitt mittelbar bedingen, ome dass 
am ausgeschnittenen Muskel dieser Gegensatz, wenn er einmä da ist, 
durch die Temperatur verändert würde. Und es ist mir nicht [düngen, 
eine Versuchsweise zu ersinnen, um dies mit Schärfe zu prüfen. Die 
vergeblichen Versuche, die ich dazu anstellte, verweise ich in tine An¬ 
merkung,2 um nicht [276] den Gang der Erörterung dadurch länger, 
1 S. meine Untersuchungen u. s. w. Bd. H. Abth. II. S. 28. 
2 Zuerst tauchte ich einfach die Muskeln, nachdem ich ihre Kraft gemesen, 
bei gewöhnlicher Zimmerwärme in 30° C. warme, 0*75procentige Kochsalzlösuigi 
liess sie so lange darin, dass ich annehmen konnte, sie seien durchwärmt, und legte 
sie dann zum zweiten Mal auf, nachdem ich sie mit Fliesspapier getrocknet hate. 
Das Ergebniss war stets eine grössere oder geringere Kraftabnahme. Offenbar bss 
sich aber so eine kleine Kraftzunahme nicht bemerken. Dazu war noting, das 
der Muskel unverrückt auf den Bäuschen liegen bleibe. Dabei war es aber wie tf 
schwierig, den Muskel zu durchwärmen, dessen Leitvermögen für die Wan)«
        

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