Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Gesetz des Muskelstromes, mit besonderer Berücksichtigung des M. gastroknemius vom Frosch (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1863, S. 521)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29150/92/
154 XVIII. Ueber das Gesetz des Muskelstromes u. s. w. 
Derselbe Zweck wird viel einfacher und ganz unmittelbar erreicht, indem 
man die beiden Querschnitte zum Kreise schliesst. Ich hatte also nicht 
nur keinen Grund, auch noch auf dem Wege jenes Vergleiches mich 
davon zu überzeugen, dass es keinen regelmässigen Spannungsunterschied 
der beiden Querschnitte giebt, sondern sogar einen Grund dagegen, näm¬ 
lich [670] den, dass ich die Schwierigkeiten dieses Unternehmens einsah, 
von denen Hr. Budge sich nichts träumen lässt. Ganz wie er nichts 
von dem Einfluss weiss, den die Schräge des Querschnittes auf seine 
Negativität ausübt, ist ihm auch das Gesetz der Spannweiten fremd 
geblieben. Er ahnt nicht, dass, beim unverrückten Auf liegen desselben 
Querschnittes, die blosse Verrückung des Ableitungspunktes am Längs- 
schnitt hinreicht, um eine Veränderung der Stromstärke zu bewirken, die 
bei Versuchen, gleich den seinigen, die genaueste Berücksichtigung ver¬ 
dient. Ehe wir diese Versuche wiederholen, ist es in der That nöthig, 
mit den vervollkommneten Hülfsmitteln, über die wir jetzt gebieten, das 
Gesetz der Spannweiten einer erneuten Prüfung zu unterwerfen. 
Ich habe dies Gesetz früher so ausgesprochen, dass mit der Entfer¬ 
nung des Längsschnittspunktes vom abgeleiteten Querschnitt der Strom 
zuerst wachse, ein Maximum erreiche, wenn jener Punkt sich am Aequa- 
tor befinde, dann aber wieder herabsinke. Auf verschiedenem Wege 
führte ich den Beweis, dass es nicht bloss die Stromstärken, sondern 
auch die Spannungsunterschiede seien, welche dies Gesetz befolgen.1 Ich 
fügte hinzu, dass das Herabsinken vom Maximum in manchen Fällen 
dem Anschein nach etwas weniger steil vor sich gehe, als das Ansteigen, 
so dass bei grösster Spannweite der Strom stärker sei, als bei kleinster. 
Bei dem jetzigen Stand unserer Kenntniss ist leicht zu sehen, dass 
letzteres Verhalten jedenfalls nur eine Unregelmässigkeit war, dadurch 
bedingt, dass der nicht abgeleitete Querschnitt geringere Negativität be- 
sass, oder dass nach ihm hin die unwirksame Schicht am Längsschnitt 
dicker wurde. Bei gleicher Negativität der beiden Querschnitte, und 
überall gleicher Dicke der unwirksamen Schicht am Längsschnitt, wie 
auch der an den Querschnitten, muss das Herabsinken des Spannungs¬ 
unterschiedes vom Maximum mit derselben Steilheit geschehen, wie das 
Ansteigen: die Curve der Spannungsunterschiede bezogen auf die Spann¬ 
weiten muss symmetrisch sein. [671] Die Curve der Stromstärken be¬ 
zogen auf die Spannweite wird dagegen asymmetrisch ausfallen, sobald 
der Widerstand des Muskels nicht gegen den des Kreises verschwindet* 
Allein die Abweichung dieser Curve von der Symmetrie wird gerade i® 
entgegengesetzten Sinne von dem stattfinden, in welchem ich sie früher 
1 Untersuchungen u. s. w. Bd. I. S. 831—633. 695. 696. 
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