Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Gesetz des Muskelstromes, mit besonderer Berücksichtigung des M. gastroknemius vom Frosch (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1863, S. 521)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29150/91/
§. XI. Hrn. Budge’s Versuche am Adductor magnus, Sartorius u. s. w. 153 
jnich richtet, nicht an seinem Platze. Aber wie erscheint dieser Tadel 
erst wenn es sich nun findet, dass jene Ströme, deren Nichtbeachtung 
mir zu so schwerem Vorwurf gereichen soll, nie wo anders kreisten, als 
in Hm. Budge’s Phantasie? 
Im Laufe meiner Untersuchungen, Vorträge, Demonstrationen habe 
ich natürlich sehr oft regelmässig gefaserte Oberschenkelmuskeln mit 
symmetrischen Längsschnittspunkten oder mit zwei künstlichen Quer¬ 
schnitten zwischen die Multiplicatorenden gebracht. Bei meinen ersten 
Versuchen der Art, bei denen ich mich noch wenig empfindlicher Instru¬ 
mente bediente, sah ich die Nadel auf Null bleiben, wie mir denn auch 
anfangs die schwachen Ströme des Längsschnittes entgingen.1 Später war 
die Kegel, dass ein schwacher Ausschlag erfolgte, [669] bald im auf-, bald 
im absteigenden Sinne. Bei den Versuchen mit zwei künstlichen Quer¬ 
schnitten schrieb ich dies zum Theil dem Umstande zu, dass leicht auf 
der einen oder der anderen Seite die Kante zwischen Quer- und Längs¬ 
schnitt sich umlegt und letzterer den Bausch berührt.2 Bei den Ver¬ 
suchen mit symmetrischen Längsschnittspunkten bemerkte ich, dass nur 
in seltenen Fällen die gleichartigen Punkte genau symmetrisch zum geo¬ 
metrischen Aequator liegen, so dass der geometrische und der elektro¬ 
motorische Aequator zusammenfallen. Meist sei letzterer nach der 
einen oder der anderen Seite verschoben, so dass man, um keine Wir¬ 
kung zu erhalten, zwei ungleich weit vom geometrischen Aequator gele¬ 
gene Punkte berühren müsse.3 Obschon ich somit auf diese Abweichungen 
ein Auge hatte, fiel mir darin doch kein Gesetz auf, und ich habe auch 
darüber keine langen Versuchsprotocolle veröffentlicht, weil ich selber ohne 
dergleichen zur Ueberzeugung gelangt war, dass hier nichts zu holen sei. 
Konnte ich aber beim Auflegen zweier Querschnitte keinen regel¬ 
mässigen Erfolg entdecken, so hatte es auch für mich keinen Sinn, 
den oberen und unteren Strom unter sich zu vergleichen. Dieser Ver¬ 
gleich kann nur bezwecken, einen Spannungsunterschied der beiden Quer¬ 
schnitte nachzuweisen, indem man den Unterschied zwischen der Span- 
nung eines jeden der Querschnitte und der eines Längsschnittspunktes fest- 
stellt, als eines dritten Punktes gleicher Spannung in beiden Versuchen. 
1 Vorläufiger Abriss einer Untersuchung über den Froschstrom u. s. w. Poe- 
«endorpf’s Annalen u. s. w. 1843. Bd. LVI1I. S. 5. §. 15. 
2 Untersuchungen u. s. w. Bd. I. S. 503. — Hr. Budge lässt an der Stelle, 
er s'cd auf diese Erklärung bezieht, die Worte: „zum Theil“ aus, und legt 
(^r 80 die Behauptung unter, an die ich nie gedacht habe, dass zwei ohne Umlegen 
aufgelegte Querschnitte stets völlig gleichartig sein würden. Erste vor- 
11 ge Mittheilung, S. 208. 
3 A. a. 0. S. 514.
        

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