Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Gesetz des Muskelstromes, mit besonderer Berücksichtigung des M. gastroknemius vom Frosch (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1863, S. 521)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29150/77/
§. X. Erklärung der elektromotor. Anomalien am querdurchschnitt. Gastrokn. 139 
Gastroknemius mit diesen Schnitten zwischen die Thonschilder der Zu- 
Ipitungsgefässe. Hr. Budge hat Recht, und ich wusste es längst, es er¬ 
folgt in diesem Falle meist ein ziemlich starker aufsteigender Strom. Um 
aber daraus den Schluss zu ziehen, den Hr. Budge zog, oder um statt 
dessen den Erfolg zu erwarten, dem er entgegensah, — dazu gehört die 
Xaivetät, von der er uns schon mehrere Proben gab. Wie Hr. Budge den 
Umfang des Gastroknemius ohne Weiteres für Längsschnitt nimmt, so 
nimmt er hier, unbesehen, den quer durch den Muskel geführten Schnitt 
für Querschnitt. Wie aber dort der angebliche Längsschnitt in Wirk¬ 
lichkeit Querschnitt ist, so wird sich jetzt zeigen, dass gelegentlich auch 
scheinbarer Querschnitt Längsschnitt sein kann. Auch hier hätte Hr. 
Budge mit nur wenig Achtsamkeit leicht schon in bekannten Grund¬ 
sätzen die Erklärung seiner vermeintlichen Entdeckungen gefunden. 
Zunächst hat Hr. Budge völlig den oben S. 94 und S. 115 be¬ 
sprochenen Umstand übersehen, dass ein schräger Querschnitt sich positiv 
gegen einen senkrechten verhält. Prüft man genauer den oberen Quer¬ 
schnitt unseres Präparates, so findet man, dass die Fasern daran schräg 
zerschnitten sind. Hingegen an dem unteren Querschnitt sind sie ver¬ 
gleichsweise senkrecht zerschnitten. Dies ist die natürliche Folge davon, 
dass die Fasern um so steiler verlaufen, von je tieferen Punkten der 
sehnigen Scheidewand sie entspringen (s. Fig. 4.). Wäre dies nicht der 
Fall, so würden die untersten Fasern an der Tibialfläche unter dem 
doppelten Winkel von dem divergiren, unter welchem die oberen Fasern 
beiderseits an die sehnige Scheidewand stossen, und der Muskel würde in 
der Tibialfläche unten schwalbenschwanzförmig auslaufen. Die Gesammt- 
heit der untersten Fasern würde einen Raum einschliessen, vergleichbar 
einem durch die Tibialfläche in der Axe durchschnittenen Kegel. Da 
nun aber die Fasern unten Zusammenschlüssen, so müssen sie, wie auch 
der Au- [652] genschein lehrt, sich mehr und mehr der Senkrechten 
nähern. Also schon so wird verständlich, dass solches Präparat auf¬ 
steigenden Strom giebt, da der schräge obere Querschnitt sich positiv 
'erhalten muss gegen den senkrechten unteren Querschnitt. Dass dieser 
instand wirklich von Belang ist, erhellt daraus, dass wenn man unten, 
Seichviel in welcher Richtung, den Querschnitt schräg anlegt, der auf- 
igende Strom an Stärke abnimmt, bei grosser Schräge günstigen Falls 
sich umkehrt. 
Rückt man mit dem oberen Querschnitt ss1 herab, so bleibt der Er- 
^ derselbe, und die Erklärung fährt zu gelten fort, da der obere Quer- 
V S^S ^er schrägere ist. Rückt man mit dem unteren Querschnitt 
stets BaU^ S° gleichfalls der Erfolg derselbe, d. h. man erhält noch 
emen aufsteigenden Strom, da aber innerhalb des dicksten Theiles
        

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