Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Gesetz des Muskelstromes, mit besonderer Berücksichtigung des M. gastroknemius vom Frosch (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1863, S. 521)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29150/57/
§. VIII. Theorie der Neigungsströme. 
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Während aber im elektrotonisirten Nerven alle Molekelreihen in 
Reichem Sinne polarisirt sind, haben wir es hier mit der Resultante aus 
den Wirkungen abwechselnd gerichteter Reihen zu thun. Denn die dem 
schrägen Querschnitt Q, nächste Reihe 1. Fig. 18. sendet zwar ihren 
Strom durch sich selber in der Richtung von der spitzen zur stumpfen 
Ecke, durch die umgebende Flüssigkeit und einen dem Querschnitt an¬ 
gelegten Bogen also umgekehrt, d. h. so, wie wir dessen zur Erklärung 
des Neigungsstromes bedürfen ; und gleich dieser Reihe wirken [592] die 
3. ; 5., . . . ., kurz alle ungeraden Reihen. Die 2., 4., . . ., kurz alle 
geraden Reihen wirken dagegen im anderen Sinne ; und da wir natürlich 
auch hier daran festhalten, dass kein künstliches Trennungsmittel zwischen 
die dipolaren Molekeln einer peripolaren Gruppe dringt, so wird der 
Querschnitt Q„ durch eine gerade Molekelreihe gebildet, welche gleich¬ 
falls durch einen diesem Querschnitt angelegten Bogen einen Strom in 
der Richtung schickt, wie wir dessen zur Erklärung des Neigungsstromes 
bedürfen. Es fragt sich aber, was die Resultante aus den Wirkungen aller 
übrigen Molekelreihen sei. 
Berücksichtigt man allein den Querschnitt, so genügt, um dies zu 
finden, eine Betrachtung, ähnlich der, durch welche man die Wirkung 
eines Magnetstabes herleitet, den man sich aus Theilchen bestehend denkt, 
in deren jedem die nördliche und südliche Flüssigkeit in gleichem Sinne 
nach der Axe des Stabes geschieden sind. Yon dem Querschnitt Q, aus¬ 
gehend, dem ein Bogen angelegt sein soll, fasst man die beiden ersten 
säulenartigen Reihen dipolarer Molekeln in’s Auge, deren Molekeln zu - 
je zweien immer eine peripolare Gruppe ausmachen. Die dem Querschnitt 
nähere Reihe liefert, wie schon bemerkt, einen Strom in der Richtung, 
wie wir seiner bedürfen. Die vom Querschnitt um eine sehr kleine 
Grosse entferntere Reihe liefert einen Strom im anderen Sinne, der den 
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ln den Molekelreihen selber ein Strom in der Richtung des erregenden Stromes, dem 
an ^er Oberfläche des Nerven ein Strom im anderen Sinne entspreche. Um aber zu 
ei klären, dass diese Ströme mit wachsender Entfernung von den Elektroden abneh- 
n|en, fügte ich hinzu, dass die säulenartige Anordnung der Molekeln, je weiter von 
en Elektroden, um so unvollkommener werde, d. h. dass die in Bezug auf dieRich- 
llng des Stromes verkehrt liegenden dipolaren Molekeln, anstatt mit ihren elektro¬ 
motorischen Axen einen Halbkreis zu beschreiben, nur eine mittlere Lage annehmen 
■sc ien der, die ihnen vermöge der Richtkraft des Stromes, und der, die ihnen 
jj 10?e ^er unbekannten Kräfte im Nerven selber zukomme, [welche in der Ruhe 
g l"'n polare Anordnung bedingen] ; und so leitete ich auch hier eine Abstufung der 
. nungen an der Oberfläche von darunter gelegenen dipolaren Molekeln ab, deren 
iler' *Ve ^>°^e zwar hn Allgemeinen den Punkten höherer Spannung zuwenden, 
len Axen jedoch mehr oder minder 
Un^n abgestuft sind. 
von der Richtung abweichen, in der die Span-
        

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