Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Gesetz des Muskelstromes, mit besonderer Berücksichtigung des M. gastroknemius vom Frosch (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1863, S. 521)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29150/32/
94 
XVIII. Ueber das Gesetz des Muskelstromes u. s. w. 
wir einen Muskelrhombus nennen wollen, wegen der Gestalt der Schnitt- 
fläche, die man erhält, wenn man sich durch die grossen Axen G‘CGn 
PKT, der als Elüpsen gedachten schrägen Grundflächen eine Ebene ge- 
legt denkt. Die Aehnlichkeit zwischen dem so zugeschnittenen Adductor 
magnus und dem in Fig. 5. schematisirten Gastroknemius vor Zusam¬ 
menklappen seines oberen natürlichen Querschnittes springt in die Augen. 
Ehe wir an die Untersuchung der Ströme am Muskelrhombus gehen, 
will ich zuerst die Aufmerksamkeit auf einen da- [560] bei in Betracht 
kommenden Umstand lenken, auf den ich zwar schon bei anderer Ge¬ 
legenheit hingewiesen,1 den ich aber noch nie, wie er es verdiente, aus¬ 
drücklich durch Versuche erläutert habe. Ich meine die Abnahme der 
Negativität des Querschnittes mit dem Winkel zwischen ihm und der 
Faserrichtung.2 
Da man den Muskel verkürzt, wenn man an Stelle des senkrechten 
einen schrägen, und an Stelle dieses wieder einen senkrechten Querschnitt 
anlegt, so ist zuerst der Einfluss zu prüfen, den die Verkürzung an sich, 
ohne dass die Neigung des Querschnittes verändert wird, auf den Span¬ 
nungsunterschied zwischen Längs- und Querschnitt übt; und da der 
Widerstand des Muskels mit der Verkürzung abnimmt, so ist es am 
besten, statt die Stromstärke an der Bussole, gleich am Compensator die 
elektromotorische Kraft zu messen. Ein Punkt des Längsschnittes, nah 
dem einen sehnigen Ende des Muskels, wird mit etwas Russ bezeichnet; 
er ist bestimmt, mit der Thonspitze einer Zuleitungsröhre berührt zu 
werden. Am anderen Ende des Muskels wird ein senkrechter oder schräger 
Querschnitt angelegt, und gegen das Thonschild eines meiner neuen Zu- 
leitungsgefässe geschoben.3 Hat man den Spannungsunterschied der 
beiden abgeleiteten Stellen gemessen, so wird ein neuer senkrechter, be- 
ziehlich schräger Querschnitt hergestellt, der den Muskel um einen be¬ 
stimmten Bruchtheil, z. B. um ein Viertel der Strecke zwischen dem 
ersten Querschnitt und dem abgeleiteten Punkte des Längsschnittes ver¬ 
kürzt, und der neue Spannungsunterschied bestimmt. So, wer- [561] den 
1 Untersuchungen u. s. w. Bd. I. S. 504; — Bd. II. Abth. 2. S. 122. 124. 
2 Genau genommen sollte mit Querschnitt nur ein senkrechter Durchschnitt 
der Muskelbündel bezeichnet werden. Inzwischen würde, wie die Sachen stehen, 
diese Beschränkung ihre Nachtheile haben, und es wird daher im Folgenden ohne 
Rücksicht darauf häufig von schrägen Querschnitten die Rede sein. 
3 Beschreibung einiger Vorrichtungen und Versuchsweisen u. s. w. Taf. !■ 
Fig. 1. S. 88—95. — S. oben Bd. I. S. 157—160. Taf. I. Fig. 1. Die neuen Zulei' 
tungsgefässe wurden zu allen in gegenwärtiger Abhandlung vorkommenden Ver¬ 
suchen benutzt, bei denen nicht durch die Natur der Sache die Anwendung fer 
Zuleitungsröhren mit Thonspitzen geboten war.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.