Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Gesetz des Muskelstromes, mit besonderer Berücksichtigung des M. gastroknemius vom Frosch (Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1863, S. 521)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29150/25/
§. V. Yon den wahren elektromotorischen Anomalien des Gastroknemius. 87 
(jen verstärkt, die absteigenden schwächt, ja überwiegt. Tür die Ströme 
zwischen verschiedenen Punkten des Achillesspiegels erhellt dies deutlicher 
aus Fig. 10. A. Taf. II. Hier bedeutet die Abscissenaxe G'CG/ den 
Durchschnitt der Medianebene mit dem Achillesspiegel, die Ordinaten der 
punktirten Curve M'CM/ sind die positiven Spannungen (Potentialwerthe) 
der zugehörigen Punkte der Oberfläche,1 wie sie nach dem Gesetze des 
Muskelstromes sein sollten, die der gestrichelten, der Einfachheit halber 
als Gerade gedachten Curve NC G, die Spannungen, welche dem voraus¬ 
gesetzten aufsteigenden Strom zu Grunde liegen, endlich die der ausge¬ 
zogenen Curve RC‘M, die resultirenden Spannungen. Denkt man sich 
zwei beliebige Punkte der Abscissenaxe durch einen Bogen verknüpft, so 
geht durch den Bogen in der Richtung von dem Punkte, dem die 
grössere, zu dem Punkte, dem die kleinere Ordinate zugehört, ein Strom, 
dessen Stärke bei gleichem Widerstande durch den Unterschied der zu¬ 
gehörigen Ordinaten bemessen wird.1 Die Figur zeigt, wie sich diese 
Unterschiede in fünf Fällen gestalten, in welchen die Punkte auf der Ab¬ 
scissenaxe die gleiche Lage haben, wie die Fusspunkte des Bogens in 
Fig. 2., und man überzeugt sich leicht, dass die Ordinatenunterschiede 
1 Ich stellte früher das Gesetz, der elektromotorischen Thätigkeit der Nerven 
und Muskeln graphisch so dar, dass ich mir längs der Abscissenaxe, — der ent¬ 
wickelten Durchschnittsfigur einer durch die Muskel- oder Nervenaxe gelegten Ebene 
mit der Muskel- oder Nervenoberfläche, — einen Bogen von willkürlicher aber be¬ 
ständiger Spannweite verschoben dachte, und bei jeder Stellung des Bogens auf die 
Mitte seiner Spannweite die Stärke des im Bogen gegenwärtigen Stromes als Ordi¬ 
nate auftrug. Diese Darstellung hat das für sich, dass sie der reine Ausdruck der 
Beobachtung ist. Sie gilt aber nur für eine bestimmte Spannweite, und sie giebt 
von der Vertheilung der Spannungen an der Oberfläche der thierischen Elektromo- 
tore, welche doch das eigentlich zu Erforschende ist, nur mittelbar Rechenschaft 
unter Einmischung eines willkürlichen Elementes, der gewählten Spannweite, und 
einer nach unbekanntem, verwickeltem Gesetze schwankenden Veränderlichen, des 
Widerstandes. Es ist daher für manche Zwecke besser, sich der oben gebrauchten 
Darstellung zu bedienen, wobei die Ordinaten unmittelbar die Spannungen der zu¬ 
gehörigen Punkte der 'elektromotorischen Oberfläche des Muskels’ im Helmholtz- 
schen Sinn angeben (Poggendobfe’s Annalen u. s. w. 1853. Bd. LXXXIX. S. 217). 
Die neue Darstellung umfasst, wie man leicht bemerkt, zugleich das Gesetz der 
Spannweiten, welches sich der älteren entzieht (Untersuchungen u. s. w. Bd. I. 
S. 695). Beachtung verdient, dass in Fig. 10. A. willkürlich die Muskelstrom-Span- 
n,ing positiv und im Punkte C = Null gemacht ist, da nach meiner Anschauung 
vielmehr die des Aequators ein negatives Minimum, die der Pole ein solches Maxi- 
Dium sein würde. Ebenso willkürlich ist die absolute Grösse der neu hinzutreten- 
*kn Spannungen (der Ordinaten der Curve NC'G,) gewählt. Die Figur wurde so 
am verständlichsten, während es wesentlich hier nur auf die algebraische Summe 
(Dr Steilheiten der beiden Curven in jedem Punkt ankam, welche von der absoluten 
Höhe der Ordinaten der Curven unabhängig ist.
        

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