Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber angeblich saure Reaction des Muskelfleisches (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1859, S. 288)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29148/12/
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XVI. Ueber angeblich saure 
Zuckerwasser statt mit destillirtem Wasser wiederholte. Er erhielt durch 
Auspressen des blutleeren Eroschfleisches eine Flüssigkeit, welche, wie die 
Querschnitte der Muskeln selber, wahrscheinlich neutral reagirte, da sie 
rothes Lakmuspapier schwach blau, und das blaue Papier röthlich 
färbte.1 
Ausser mit der Zuckerlösung habe ich ähnliche Versuche auch 
noch mit destillirtem Wasser angestellt. Die Erscheinungen beim Ein¬ 
spritzen von destillirtem Wasser in die Muskeln sind durch Joh. Mül- 
ler’s, 3 Ed. Weber’s, 3 G. v. Liebig’s 1 und v. Wittich’s 6 Beobach¬ 
tungen bekannt. Die Muskeln schwellen unter Zuckungen auf, werden 
ganz weiss, ihre Leistungsfähigkeit ist sehr vermindert, und hat, wenn 
die eingespritzte Wassermasse gross war, bald ein Ende. Indessen auch 
der Quer- [300] schnitt solcher Muskeln reagirt neutral; höchstens kann 
man sagen, dass nach sehr reichlicher Wassereinspritzung die Reaction 
sich etwas mehr zum Säuerlichen neigt. 
Allein dergleichen Muskeln zeigen noch eine andere auffallende Er¬ 
scheinung, deren jene Beobachter nicht gedacht haben. Bewahrt man 
nämlich nach Hindurchspritzen von etwa 200 —300 ecm destillirten Was¬ 
sers die hintere Hälfte eines Frosches in der Kälte auf, so lassen die 
Beinmuskeln allmählich einen ansehnlichen, wenn nicht den grössten 
Theil des aufgenommenen Wassers in Gestalt einer trüben Flüssigkeit 
wieder fahren, von der man leicht innerhalb der ersten 24 Stunden 2 • 5, 
innerhalb der folgenden entsprechenden Zeitabschnitte über 1 ccm, im 
Ganzen bis 6 eom auffangen kann. Anfangs reagirt diese Flüssigkeit, 
ganz wie der frische Muskelquerschnitt, auf beide Lakmuspapiere. Sterben 
die Muskeln ab, so findet man die fortan ausgestossene Flüssigkeit sauer; 
gehen sie in Fäulniss über, so ändert sich die Reaction in die alkalische 
um. Zu jeder Zeit enthält die Flüssigkeit eine grosse Menge Muskel- 
eiweiss. Freiwillige Bildung eines Gerinnsels habe ich darin nicht beob¬ 
achtet. Die aus den faulenden Muskeln stammende alkalische Flüssigkeit 
sieht gelblich aus und wimmelt von Vibrionen. Ob die Muskeln die 
Flüssigkeit auch durch ihre unversehrte Oberfläche, oder nur durch die 
durchschnittenen Gefässe ausstossen, habe ich noch nicht durch den Ver¬ 
such entschieden. 
1 Allgemeine medicinische Central-Zeitung. Berlin, den 1. September 1858. 
2 Handbuch der Physiologie u. s. w. Bd. II. I. Abth. Coblenz 1837. S. 49. 
3 Artikel: 'Muskelbewegung’ in Bud. Wagner’s Handwörterbuch der Phy¬ 
siologie u. s. w. Bd. III. Abth. II. Braunschweig 1846. S. 10. 
4 Archiv für Anatomie u. s. w. 1850. S. 410. 411, 
5 Expérimenta quaedam ad Halleri Doctrinam de Irritabilitate probandam 
instituta. Regiomonti P. 1857. 4°. p. 6 sqq.
        

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