Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den secundären Widerstand, ein durch den Strom bewirktes Widerstandsphänomen an feuchten porösen Körpern (Monatsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1860, S. 816)
Person:
Du Bois-Reymond, Emil
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29139/4/
S. 1. Einleitung. 
88 
sinnlichen. Die Abscissenaxe Ot stellt darin die Zeit vor, die Ordinaten 
bedeuten in Scalentheilen ausgedrückte, der Stromstärke proportionale 
Spiegelablenkungen. 
Bei der Abscisse Null wird die Kette geschlossen. Nachdem der 
Spiegel sich beruhigt hat, erscheint die Ablenkung in den ersten Augen¬ 
blicken manchmal beständig, anderemale wächst sie sogar, meist jedoch 
findet man sie sogleich im Sinken begriffen. Dies Sinken ist entweder 
anfangs noch langsam, und wird erst mit der Zeit geschwinder, oder es 
geht gleich von vorn herein mit reissender SchneUe vor sich. Allmählich 
indess wird in ahen Fällen das Sinken langsamer, und endlich, oft erst 
nach 10—20 und noch mehr Minuten ist eine beständige Ablenkung 
erreicht. Jetzt ist von der ursprünglichen Stromstärke, wie man sie aus 
dem ersten Hin- und Hergang des Scalenbildes folgern kann, oft nicht 
mehr als der zehnte Theil übrig, wie man bei t2 in der Figur un¬ 
gefähr sieht. 
Wird nun die Wippe umgelegt, wie der Pfeil in der Figur andeutet, 
.so könnte man erwarten, einen mächtigen Aus- [850] schlag erfolgen zu 
sehen, da es scheint als habe sich in dem Kreise eine bedeutende elektro¬ 
motorische Gegenkraft entwickelt. Man sagt sich indessen schon, wie 
unwahrscheinlich es sei, dass diese in einer 50mm langen Strecke geron¬ 
nenen Eiweisses der Kraft von achtzehn G rove’sehen Gliedern gleich¬ 
kommen solle. Der Versuch liefert denn auch ein ganz anderes Ergeb- 
niss. Man beobachtet nämlich im Augenblick des Umlegens nur einen 
kleinen negativen Ausschlag, der von dem Ausfall an ablenkenden Kräften 
während des Umlegens herrührt (s. die Figur bei t2). Von der inneren 
Polarisation wird also, trotz der langen Dauer der Durchströmung, nichts 
bemerkbar, was sich leicht erklärt, wenn man die grosse elektromotorische 
Kraft der Säule erwägt. Unmittelbar darauf aber ist die Ablenkung in 
langsamem Wachsen begriffen, der Art, dass, wenn die ursprüngliche 
Ablenkung einige Hundert Scalentheile betrug, in der Secunde anfangs 
etwa 10, zuletzt nur noch in der Minute so viel Scalentheile am Faden 
vorbeiziehen. In Folge dieses Wachsens erreicht die Ablenkung bei t3 
zuletzt ungefähr die nämliche Grösse wieder, die sie bei t1} unmittelbar 
üaeh der ersten Schliessung des Kreises, besass. Allein abermals ver¬ 
weilt sie nur einen Augenblick auf dieser Höhe. Sofort beginnt das 
Sinken von Neuem, und findet zuerst langsam, dann schnell, dann wieder 
langsam statt, bis abermals die Ablenkung (bei #4) einen unteren Grenz¬ 
werth erreicht hat, wo denn abermaliges Umlegen abermals langsames 
Wachsen der Stromstärke hervorruft. Und so kann man, so oft als die 
-Natur der Dinge es zulässt, diesen Wechsel der Erscheinungen beobachten. 
Ihre nähere Ursache ist nicht schwer anzugeben. Was das in einigen 
6*
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.